Verwirrender Jazz

04. Mai 2009 von Peter

Sonntag abends gehe ich hin und wieder in den Jz Club, der ist vielleicht 10 Minuten von meiner Wohnung entfernt, gewöhnlich spielen sonntags dort die Possicobilities – eine Geige, Drums, ein Kontrabass, ein Piano und Coco Zhao als Sängerin – wie gesagt, gewöhnlich spielen sie dort, die paar Mal, die ich dort war, spielte immer nur ein Teil der Possicobilities, und Coco Zhao hatte ich noch nie gesehen, leider, sie ist bei einem amerikanischen Label unter Vertrag und der Superstar der chinesischen Jazz-Szene, naja, diesen Sonntag war es soweit.

Ich in den Jz-Club, höre eine sehr hohe Stimme, erst einmal verwirrt, da ist ja gar keine Frau auf der Bühne, sondern ein kleiner Chinese mit verdammt weiblich klingender Stimme, naja, das Aüßere ganz lustig, graue Hose, graues, ziemlich anliegendes T-Shirt mit verdammt tiefen Ausschnitt – äh, so nennt man das bei Männern nicht, äh, wie nennt man das bei Männern nur, egal, auf jeden Fall war recht viel Haut der nicht gerade muskulösen Brust zu sehen – links ein riesiger Ohrring, ein bisschen gegelte Haare und eine Stimme, die ich auch beim Reden doch eher einer Frau zuordnen würde, dazu Gekichere zwischen den Liedern, ein bisschen unbeholfen in den Liedpausen und insgesamt ein bisschen unsicher,egal, super, die Musik gut wie immer, nur Peng Feis verstärkte Elektro-Geige war mir wie immer ein bisschen zu schräg, zu schrill, zu quietschend, ihm vielleicht auch, beim Spielen sieht sein Gesicht immer aus, als hätte er tierische Zahnschmerzen, schade, dass ich die anderen Gesichter nicht richtig sehen konnte, ist doch immer lustig, den Leuten beim Jazz-Spielen die volle Hingabe im Gesicht ablesen zu können.

Dann die erste Pause, komisch der Sänger heißt Coco, hmmm, haben sie jetzt einen Sänger, der auch Coco heißt oder nennen sie ihn nur so aus Verarschung so, weil er Coco Zhao vertritt, egal, die Musik war gut, der Wein wie immer beschissen, muss ich mir merken, das nächste Mal trinke ich dann doch wieder ne Cola, oder so – was könnt ihr mir empfehlen zu trinken, ich mag kein Bier, der Wein ist nicht gut, Cocktails zu teuer, außer Saft und Cola noch ne Idee? – , dann noch eine Runde Musik, ein verrückt guter Trompeter zu Gast, der im Hauptberuf Banker ist – vielleicht muss er ja während der Finanzkrise nebenbei ein bisschen Kohle ranschaffen – schön wars, aber 1.30 Uhr ist dann schon ne Zeit nach Hause zu gehen, gelohnt hat es sich.

Heute, ich surfe ein bisschen im Netz, wollte was im Blog über gestern abend schreiben, gehe auf die MySpace-Seite der Possicobilities und auf die von Coco Zhao, mache die Musik an, schaue auf die Fotos, und siehe da, mir geht ein Licht auf, auf den Fotos der Possicobilities erkenne ich die vier Musiker und Coco, den Sänger von gestern, häh, Coco Zhao ist gar keine Frau, schnell auf die Seite von Coco Zhao, die Fotos, ähhh, das ist er, ich bin verwirrt, hört euch die Lieder an, schaut das Foto auf der Startseite der MySpace-Seite an, dazu der Name, den chinesische Frauen benutzen, ich war zu 100% überzeugt, dass Coco Zhao ne Frau ist, naja, jetzt habe ich den wohl bekanntesten Jazz-Musiker Chinas gesehen, gut wars, nächsten Sonntag auf ein Neues.

Ping Pang

03. Mai 2009 von Peter

So, wieder in Shanghai, am Anfang sehr ungewohnt wieder hier zu sein, nach ein paar Tagen fühlt es sich wie ein bisschen zu Hause an, der Obst- und Gemüsehändler kennt mich noch und freut sich wie immer, wenn ich bei ihm einkaufe – wahrscheinlich, weil ich mehr bezahle als die Chinesen -, beim Friseur kennen Sie mich nicht mehr, wie auch, A.J., mein persönlicher Haarkünstler, gibt es nicht mehr, zumindest nicht mehr in diesem Laden, egal, der Haarschnitt ist ok, nur bin ich jetzt ne Stunde kürzer beim Friseur, ein neues Rad – mein drittes wurde ja geklaut, kurz bevor ich nach Europa bin -, einen anderen Laden ausprobiert, derselbe Preis, dieselbe Qualität, ich fahre los, nach ca. 100 m löst sich das Pedal, zurück zum Laden, zwei neue Pedale rangeschraubt, mal sehen, wie lange das Pedal am Fahrrad bleibt, dann ein neues Schloss gekauft, zu Hause festgestellt, zu kurz, am Abend zurück zum Laden, ohne Kassenbon, einfach nur so hingegangen, in 20 Sekunden das Schloss getauscht – manchmal liebe ich China- , danach nach Hause gefahren, das Fahrrad in den 2. Stock getragen, jetzt wird es immer vor meiner Wohnungstür angeschlossen, mal sehen, wie lange es bei mir bleibt.

Naja, ich habe ja jetzt Freizeit, bis Sabine am nächsten Wochenende kommt, sogar Freizeit ohne irgendwelche Termine, Verpflichtungen, etc., was also machen, erst einmal den Jetlag auskurieren, gar nicht so einfach, wenn man am nächsten nicht irgendwie mit nem Termin irgendwo hin muss, hab’s versucht mit um-9-Uhr-zum-Friseur-gehen, keine Chance, der Friseur macht erst um 10.30 Uhr auf, offen hat er zwar bis Mitternacht – nach 20 Uhr ist er auch immer knallvoll – , egal, ich scheine ihn überwunden zu haben, heute war ich um 8.30 Uhr wach und nicht wie sonst in den letzten Tag so gegen 12 Uhr oder später. Das Problem dabei, China hat nur eine Zeitzone – ein-China-eine-Zeitzone-Politik -, d.h. in Shanghai geht die Zeit ein bisschen falsch – zumindest für mein europäisches Empfinden -, zur Zeit geht so gegen 4.15 Uhr die Sonne auf, um 5 Uhr ist mein Zimmer hell und abends wird es je nach Wetter um 18 – 19 Uhr dunkel, auf jeden Fall muss ich mich daran erst einmal gewöhnen.

Ach so, Freizeit war das Thema, Taiji will ich machen, es gibt aber eher keine Kurse – außer in den Luxushotels zu den dementsprechenden Preisen -, nur einzelne Lehrer mit Einzelunterricht, hört sich gut an, ist mir aber zu teuer, aber vielleicht habe ich das Richtige gefunden, gestern im Netz, eine Anzeige einer Organisation zur gemeinschaftlichen Freizeitgestaltung Schwuler und Lesben, jeden Samstag Taiji, da will ich nächstes Wochenende mal hin, sind bestimmt auch lustige Menschen dabei, mit denen ich mich auch so mal hin und wieder treffen kann.

Sport läuft natürlich auch im Fernsehen, die Chinesen sind sportverrückt, sie lieben Fußball, obwohl sie ihn selbst grottenschlecht spielen – ich muss mich selbst erinnern, ich wollte ja unbedingt zu einem Spiel von Shanghai Donghua gehen, mal sehen, wie die Atmosphäre im Stadion ist -, im Fernsehen werden Spiele aus England, Spanien, Deutschland und Italien live übertragen, Samstag abends immer das Topspiel der Bundesliga, nur gestern nicht…

Zur Zeit ist gerade Ping Pang-WM – Tischtennis, das ist übrigens kein Schreibfehler -, das lieben die Chinesen noch mehr, Vor- und Nachberichterstattung mit über 90-jährigen SpielerInnen, die mich wahrscheinlich noch richtig von der Platte fegen würden, nur chinesische Siege, wobei auch die Hälfte der Spieler der restlichen Welt eingebürgerte Chinesen sind, nicht wirklich spannend, danach Halbfinale der Snooker-WM – das lieben die Chinesen auch, seitdem es seit einigen Jahren einen chinesischen Topspieler gibt, dessen Namen ich immer vergesse – , auch nicht wirklich spannend, obwohl teilweise beeindruckend, schade, keine Ablenkung beim Abendessen durch Bundesliga-Fußball, vielleicht dann nächstes Wochenende wieder, oder vielleicht unter Woche wieder, Champions League- Halbfinale, so ein Jetlag ist super, um 2.45 Uhr geht’s los, um 4.30 Uhr ist es zu Ende, bei Sonnenlicht geht’s ins Bett, obwohl, ich habe keinen Jetlag mehr, schade aber auch.

P.S.: Ich wundere mich gerade. Die Seite funktioniert ohne VPN-Client der TU, anscheinend nicht mehr zensiert, mach ja auch keinen Sinn, da andere Blogger-Seiten ohne Probleme zugänglich waren/sind.

Derbyfieber

27. April 2009 von Peter

Noch einmal Europa, nicht China, sondern Darmstadt, die Blüte des Jugendstils, trotz großer Uni recht langweilig und Heimat der Lilien (= SV Darmstadt 98 = Mehrsparten-Sportverein mit Schwerpunkt auf Fußball, Ende der 70er Jahre bekannt als Feierabendprofis in der 1. Bundesliga, danach schleichender Abstieg auf Grund von Finanznöten, vor 2 Jahren beim Nicht-Bezahlen von Sozialabgaben erwischt, aber mittlerweile so gut wie aus eigener Kraft vor der Insolvenz gerettet, Lieblingsverein aller echten Heiner – wer geht schon zur Eintracht, baaah – Hassvereine Offenbacher Kickers, SV Waldhof Mannheim, Eintracht Frankfurt und Hessen Kassel = Peters Lieblingsverein, obwohl Peter kein echter Heiner, sondern eine Griesheimer Zwiebel ist). Am Wochenende Derby gegen Waldhof Mannheim (mittlerweile in Darmstadt wahlweise Waldhopp Mannheim oder Waldhof Hoppenheim genannt -> Dietmar Hopp = SAP-Gründer und u.a. Sport/Kultur-Mäzen im Heidelberger/Mannheimer Raum, Unterstützer und Gründer verschiedener sozialer Stiftungen und Initiativen, Feindbild vieler echten – nicht Erfolgs- und Eventfans – Fußballfans, da Sinnbild des modernen, unechten Geltungsbedürfnis-Fußballs) , das erste offizielle in Darmstadt seit mehr als 10 Jahren, Vorfreude bei den Fans, Aggressionsabbau möglich, Freunde des alternativen Fußballvergnügens erwartet, alles zusammen ein Grund, meinen Flug zu verschieben und sich zwei Tage später ins Flugzeug – da schreibe ich gerade – nach Shanghai zu setzen.

Die Lilien kämpfen mal wieder gegen den Abstieg, in der Regionalliga (4. Liga), haben gerade die letzten paar Spiele verloren und den Trainer gewechselt, Mannheim auf dem Vormarsch, 4. in der Tabelle, kämpft noch um den Aufstieg, die Rollen also klar verteilt. Vor dem Spiel alte Schulfreunde angerufen, Vorfreude ist da, Treffen an der Tanke, viel Polizei vor Ort, aber alles ist ruhig, Schulfreunde kommen zu spät, Stau, da so viele Polizeiautos – am Abend vorher hat mir ein mit einem Freund befreundeter Polizist erzählt, dass die Polizei 5000 Mannheimer erwartet, wenn das wirklich war ist, kann ich nur sagen, wie bescheuert kann man sein, Mannheim hat zu Hause einen Schnitt von ca. 3ooo Zuschauern, wo plötzlich 2000 mehr herkommen sollen, ist mir schleierhaft – entweder auf der Straße stehen oder die Polizeiautos sich gerade das 4. Oder 5. Mal entscheiden in die andere Richtung zu fahren und daher im Konvoi mitten auf der Straße drehen und diese komplett blockieren, einen Sinn sehe ich dabei nicht, aber irgendwie muss man ja die Massen an Polizisten rechtfertigen, die jede Woche, die Fans der Lilien begleiten.

Kurz bevor mein Date ankommt, dann noch einmal ein bisschen Aufregung, eine Hummer-Stretch-Limousine fährt vor, aus den Fenstern hängen leicht angetrunkene Lilienkiller – so das Motto der Mannheimer Fans -, die ebenfalls schon gut alkoholisch gefüllten Lilienschweine – die ironische Antwort der Lilienfans auf das Lilienkiller-Motto – belagern die Limousine, ein bisschen Beleidigungen hin und her, die meisten sind erstaunt und müssen schmunzeln, naja, die Polizei ist auch erstaunt, leicht verunsichert, was tun, wo parken lassen, strikte Fantrennung und die Limousine kann nicht zur Lichtwiese – da ist der Eingang der Mannheimer – geführt werden, da sich weiter unten auf der Straße schon ein kleiner Darmstädter Mob ist, der auf die eintreffenden Mannheimer Zugfahrer gewartet hatte, also auf der falschen Stadion-Seite parken und die Mannheimer mit einer kleinen Polizei-Kolonne über den Darmstädter Eingang in den Mannheimer Block bringen.

Naja, dann doch noch ein kleines Treffen der Freunde der dritten Halbzeit, auf dem Weg zur Kasse, ein paar Mannheimer und Darmstädter am sich blöd Anmachen – wie hat die Polizei die Mannheimer auf der Darmstädter Stadionseite eigentlich nicht bemerkt, sind der Polizei bestimmt nicht unbekannt – egal, die Mannheimer waren 12 Leute, Aufforderung an die Darmstädter später mit genau 12 Männeken irgendwo aufzutauchen – zum Kaffee-Trinken haben die sich bestimmt nicht verabredet, sahen zumindest nicht wie Cappuccino-Genießer aus – , das Interessante dabei, vorher standen die Mannheimer Hanseln auch an der Tanke und haben mit den paar Darmstädtern, mit denen sie sich gerade auf einen Nicht-Cappuccino verabredet hatten, ein paar Bier geleert – wie gesagt vor den Augen der Polizei, aber die hat sich wahrscheinlich auf das In-Kreisen-Fahren und den Verkehr Blockieren konzentriert.

Zum Spiel, schönes Wetter, recht gut gefülltes Stadion, Derby-Stimmung, die Mannheimer Fans mit Verspätung, frühes 1 – 0 für die Lilien, ein später Ausgleich, eine kämpfende Lilien-Mannschaft, zufriedene Fans und ein überraschender Punkt gegen den Abstieg, noch 4 Punkte Vorsprung, wir schaffen das, ich zittere in China auf jeden Fall mit und werde Samstag abends beim Essen hin und wieder den Live-Ticker verfolgen.

Berlinomat

24. April 2009 von Peter

Nach 2 Wochen in Südtirol nach Berlin, auf dem Flugfeld schon Berliner Frühlingsgeruch, abends mit dem Bus von Schönefeld kreuz und quer durch Neukölln bis zum Hermannplatz, irgendwie unwirklich das Ganze, absurd, schwer zu beschreiben, wieder in Berlin, aber nicht wirklich da, habe mich so drauf gefreut, dann aber auch Nervosität, am nächsten Morgen Diplomarbeitsverteidigung – Lissy hat den Vortrag, bevor wir schlafen gegangen sind, das fünfte oder sechste Mal gehört, kannte ihn schon auswendig, ich aber war stolz, nur noch knapp 20 Minuten, optimal, die Zeitvorgabe genau getroffen, am Tag vorher dauerte er noch 31 Minuten

Am nächsten Morgen, der Vortrag klappt gut, die Fragestunde danach auch, treffe viele Leute aus dem Institut, schön wieder an der Uni zu sein, ich fühle mich aber alt, die Studenten sind so jung, egal, ab jetzt nur noch die letzten Änderungen an der Diplomarbeit und Freizeit (Cafe-Rumsitz-Zeit/Cappuccino-Test-Zeit).

Zunächst der erste Schock, Kreuzberg hat sich verändert, scheint im Moment super-in zu sein, ganz viele Studenten, neue Cafes, neue Bars, die Gegend am Kanal auf der Neuköllner Seite voller Bars – komischerweise waren sie immer fast leer, wenn ich vorbeigekommen bin -, naja, zumindest gab es die Möglichkeit während meiner Arbeitssitzungen an der Diplomarbeit und während des Freunde-Treffens neue Cappuccinos auszuprobieren – Berlin mausert sich, die meisten waren gut, einer sehr gut, aber teuer.

Nach zwei Tagen war das Gefühl des Unwirklichen, des Nicht-Wirklich-Anwesend-Seins vorbei, ich mochte Berlin wieder, Berlin mochte mich wieder, die Sonne schien, ne schöne Zeit, spannend, die Leute vom Cafe aus oder im Park zu betrachten, neue Trends zu sichten, zu bewerten und darüber zu lästern.

  • Cowoboy/-girl-Look

Schrecklich, 3 Mal dachte ich, es wäre Fasching/Karneval/Fastnacht – ich hasse dieses überflüssige Fest -, am zweiten oder dritten Tag, ein Vollcowboy, mit spitzen Cowboy-Stiefeln, Cowboy-Hut, Jeans und Cowboy-Weste mit Sheriff(?)-Stern verunsichert die Wiener Straße, ne eher mich, ich geschockt, wie kann man sich so etwas ernsthaft anziehen, mitten am Tag, hat nur noch das Lasso gefehlt. Am vorletzten Tag, zwei ¾-Cowboys lehnen an der Tür zum einem Geschäft in der Oranienstraße, beiden hat der Stern, einem hat der Hut gefehlt, es sieht auf jeden Fall lächerlich aus, immerhin hat man was zum Schmunzeln, aber ich hoffe, der Trend verschwindet schnell wieder, nicht dass bald der Indianer-Look auch noch in wird und sich auf der Oranienstraße Indianer – am besten mit Taubenfedern-Kopfschmuck, local identity – und Cowboys bekämpfen, obwohl wäre ein guter Gag für den 1. Mai.

  • Kurzer Jeans-Rock/Fast arschfreie T-Shirts/Kleider
  • Farbige, blickdichte, glitzernde, Strumpfhose/Leggins

Die beiden Trends gehören zusammen, bei Männern nicht zu sehen, bei Mädels umso häufiger, nicht immer zum Vorteil der Frau, kommt halt auf die Figur an, keine eindeutige Meinung von mir dazu, aber eher abgeneigt, vor allem die fast 80er-Style-Strumpfhosen/Leggins sind nicht mein Ding, richtig bescheuert wird’s, wenn die t-shirt-artigen Kleider zu kurz sind, der Hintern voll zu sehen ist und Frau untenrum eine blaue ¾ Leggins mit eingenähten Silber-Glitzerteilchen trägt, sieht mir persönlich zu sehr nach den fiesen 80er Musikvideos aus, aber 80er Jahre Partys sind ja auch schon seit Jahren total in – verstehe das, wer will.

So, genug, über die Berlin-Trends gelästert, sitze gerade in Darmstadt im Cafe und schreibe – wieso gibt es in Darmstadt keine Cafes mit Internetzugang? – und muss sagen, Darmstadt sieht aus wie Darmstadt, die Leute tragen genau das, was sie in Darmstadt schon vor 10 Jahren getragen haben und was sie in 10 Jahren immer noch tragen werden, natürlich leicht modifiziert, aber es ist und bleibt Darmstadt-Style – vielleicht ist es ja der westdeutsche-mittelgroße-Stadt-Style – dann doch lieber Indianer und Cowboy, da kann man immerhin drüber schmunzeln.

Zuletzt noch eine Empfehlung, Sushi lecker, super lecker, Hakata – oder heißt er Hataka -, Oranienstraße zwischen Görlitzer Bahnhof und Heinrichplatz, ist Slow-Food – es dauert ungefähr ne Stunde, bis man die Sushi hat, man darf also nicht mit Riesen-Kohldampf aufkreuzen – Hakata-San ist ein alter Japaner mit Brille, spricht nur rudimentär Deutsch, man muss die Bestellung auf ein Blatt kritzeln, keine ausgefallenen Super-Sushi-Kreationen, dafür super-unglaublich-leckere Sushi, ein Genuss, dafür auch noch sehr gut bezahlbar, ein guter Abschluss für meinen Berlin-Aufenthalt, jetzt wieder Darmstadt, da ist eher Italiener oder Spanier oder Grieche angesagt, was fehlt, Hakata-San, lecker Sushi, die Geschäftsidee in Darmstadt, wer kann, wer will, ein super sicheres Geschäft, man muss halt nur Sushi machen können.

Chinesen in der Warteschlange

22. April 2009 von Peter

Schon lange her, dass sich auf dem Blog etwas getan hat, Diplomarbeitsstress, allgemeine Lustlosigkeit, Reisen, Europaaufenthalt, Diplomarbeitsverteidigung, Diplomarbeitskorrektur…, aber jetzt, der Blog ist zurück, ich hoffe, ich werde mir wieder die Zeit nehmen zu bloggen, was die Finger hergeben.

Der Nachteil, ich bin außer Form, weiß nicht, ob die Witze noch sitzen, weiß nicht mehr unbedingt, was ich schon einmal geschrieben habe, wenn ich also was schreibe, bei dem ihr anfangt zu gähnen, weil ich das schon mindestens fünf Mal geschrieben habe, will ich ein lautes Cazzo, che cosa fa questo stronzo, non sa neanche che noi ci annoiamo delle storie sempre uguali. oder einfach ein einfaches Was is’n das für ein Trottel, kann der nich mal was Neues schreiben hören, ja ich will es bis nach China hören, denn da bin ich ab übermorgen wieder, was, ihr habt ja Recht, impliziert, dass ich zur Zeit nicht da bin.

Also, Flug nach Frankfurt, Lissy besuchen, Buchvorstellung – nicht mein Buch, sondern von Lissy – Diplomarbeit verteidigen, Südtirol genießen, Berlin besuchen, Freunde treffen und mehr standen auf dem Plan. Zunächst der Flug, eine Geschichte für sich, mit Emirates, Luxus pur, ein klein wenig mehr Beinfreiheit, echt gutes Essen, eine Riesenfilmauswahl, Handys für über 100.000 US Dollar in Dubai, nervige, arabische Kinder – Wieso sitzen die immer vor oder neben mir? – , zur Zeit die billigste Verbindung zwischen Shanghai und Frankfurt und Chinesen im Ausland.

Vor Olympia wurde ja überall verbreitet, dass die Chinesen das Schlange-Stehen nicht können und es deshalb einmal die Woche geübt werden müsse. Naja, ich hatte bisher noch keine Probleme, einmal in der Schlange bleiben sie in der Schlange, ob das jetzt am Training liegt oder ob das schon immer so war, keine Ahnung. Was anders ist, der Abstand zwischen den Menschen in der Schlange, d.h. man muss in der Schlange immer wachsam sein, einmal kurz nicht aufgepasst und es hat sich ein kleiner Abstand zwischen zwei Chinesen gebildet, spritzt ein anderer, der noch nicht in der Schlange war, in den Zwischenraum, daher klebt einem der Nachfolgende immer direkt am Arsch, sehr ungewohnt für Europäer mit eingebautem Wohlfühlbereich um einen herum, in dem sich am besten niemand aufhalten soll.

Egal, ich halte immer ein bisschen Abstand und meckere dann einfach los, ob derjenige oder diejenige – ganz oft sind es alte Frauen, es wirklich nicht böse von denen gemeint, sie meinen einfach, dass ich nicht zur Schlange gehöre, obwohl, was mache ich an der Post, ca. 1 m hinter dem Schalter??? – den Begriff sich anstellen kenne. Meistens stellen sie sich dann ganz verstohlen hinter mich und schämen sich ein bisschen, weil sie sich nicht so zivilisiert verhalten haben, wie es die Regierung von ihnen verlangt, naja, auf jeden Fall passt dann kein Blatt Papier zwischen meinen Hintern und den geläuterten Hintendransteher.
Die gelbe oder blaue oder rote oder schwarze Linie, die den Diskretionsabstand anzeigen soll, existiert auch in China, zumindest ist sie auf den Boden gezeichnet, nur eingehalten wird sie nicht – ein klein bisschen Zwischenraum und jemand stiehlt einen Platz!!! -, wieso auch, die Chinesen sprechen sowieso so laut, dass man alles noch ein paar Meter weiter hinten hört. Beim Zugticket kaufen ist das auch gar nicht so schlecht, da zumindest am Anfang – mittlerweile brauche ich die Hilfe nicht mehr – alle, die im Umkreis von 5 m um einen herum stehen und staunen, dass ein Ausländer versucht ein Ticket zu kaufen, versuchen einem zu helfen oder zumindest versuchen heraus zu finden, wohin denn dieser eigentümliche Ausländer, der noch ein Ticket kaufen muss, hinzufahren pflegt.

Oje, zu viel gelabert, die eigentliche Geschichte, in Dubai, Sicherheitskontrolle, 5 m Abstand zwischen Röntgengerät und Diskretionsabstandslinie, unmöglich für Chinesen, also die chinesischen Geschäftsmänner sofort zum Röntgengerät gerannt, obwohl noch Leute kontrolliert wurden, arabischer Sicherheitsmensch schickt sie mit gebrochenem Englisch zurück, die Chinesen mit gebrochenem Englisch meckern zurück, wollen zum Röntgengerät, kleiner Streit, die Chinesen bleiben verdutzt zurück, schauen sich an, wissen nicht, wann sie zum Röntgengerät gehen sollen, lassen andere vor… im Flugzeug nach Frankfurt sind sie gelandet, aber verdutzt sahen sie noch immer aus.

In Bergamo am Flughafen waren die chinesischen Studenten schlauer, Ryanair, wer zuerst kommt, sucht sich zuerst einen Platz, mir ist das normalerweise relativ egal, wo ich sitze, daher stelle ich mich normalerweise nicht in die Schlange, naja, wegen Umbauten ging es Bergamo nicht anders. Kurz vor dem Einsteigen, vier chinesische Studenten, gehen an allen vorbei, ich wollte schon gucken, ob sich irgendwo eine kleine Lücke aufgetan hat, in die sie schlüpfen wollten, ne, sie kannten sich aus, sie hatten priority gebucht, d.h. sie durften als erste einsteigen, noch vor den Familien mit Kindern.

Laborblues

07. März 2009 von Peter

Ich habe gestern ja schon geschrieben, dass jetzt Versuche anstehen und ich deswegen Zeit habe Blog zu schreiben. Naja, danach ist mir aufgefallen, was ich noch so mache, um die Zeit rumzukriegen, schrecklich, irgendwie krass, was man macht, um die Zeit tot zu schlagen, wenn man gelangweilt ist und warten muss.

Ganz vorne steht singen, wer draußen vorm Labor vorbeigeht muss denken, ich spinne, die Musikauswahl dabei ist grausam, von Michael Jacksons Heal the World, über die Backstreet Boys – lief gestern in der Mensa – bis zur Ode an die Freude – keine Ahnung wieso – , zu den Ärzten –ok, die sind echt gut – , zu Fußballstadiongesängen (gell Alessia) und selbstkomponierten Melodien. Naja, das schlimmste Lied ist aber White Christmas, das lief am Montag – also mitten im Februar – in der Mensa, jetzt habe ich einen Ohrwurm davon, ich krieg ihn nicht weg, habe schon vieles versucht, hat aber noch nicht funktioniert.

Naja, meine zweitliebste Beschäftigung, teilweise zeitgleich mit dem Singen, ist das Hin- und Herhüpfen, manchmal auf der Stelle- ich könnte ein Springseil gebrauchen -, fast immer mit dem Versuch nicht auf die Linien der Fließen zu treten, manchmal im Viereck, manchmal mit Schrittkombinationen, manchmal nach rechts zur Tür und zurück, manchmal nach hinten zum Arbeitstisch und zurück, vorwärts, rückwärts, hoch zum imaginären Volleyballblock – die Gasleitungen sind das Netz -naja, ist ja auch ganz schön kalt hier drin, deswegen hüpfe ich wahrscheinlich so viel durch die Gegend.

Krafttraining für die Oberarme mache ich mittlerweile auch, es stehen zwei riesige alte, ziemlich verrostete Wassersieder neben der Anlage, zwischen den beiden drücke ich mich immer hoch, nach 5 Mal merke ich das ganz schön in den Armen und im Oberkörper. Gegen meinen kleinen Bauch –der durch die Laborarbeit leicht gewachsen, aber wirklich nur leicht – hilft das Rumspringen allerdings nicht, wenn ich fertig bin, muss ich auf jeden Fall mal wieder Frisbee spielen gehen.

Wenn‘s euch interessiert, das Labor hat in der Länge 10 Fußbodenplatten und zwei halbe am Anfang und am Ende, in der Breite sind es 14 und zwei halbe, das sind, hmmm, keine Lust jetzt zu rechnen. Die Platten sind quadratisch und meine Schuhe passen hintereinander genau zweimal in eine Platte, rolle ich den Schuh aber ab, trette ich auf die Linie, verdammt, aber sehr interessant, hab Schuhgröße 43, wer rechnet jetzt aus, wie groß das Labor ist,…

So, jetzt werden sich einige fragen, wieso ich nicht was Gescheites machen, naja, Buch lesen geht irgendwie nicht, wenn man alle 10 Sekunden auf die Werte gucken muss, dann macht das echt keinen Spaß, Vokabeln lernen wollte ich ja auch mal, hmm, da gibt’s dasselbe Problem, zu wenig Konzentration, da bleibt nur Rumspringen und Hände ans Heizkissen, meine Finger und Füße sind nämlich jetzt kalt.

Fahrradfluktuation

07. März 2009 von Peter

So, die Aktivierung der MEA ist vorüber, die ist zwar lang nicht so gut, wie sie sein sollte, aber egal, jetzt wird gemessen, jetzt werden verwertbare Ergebnisse produziert, die Arbeit muss fertig werden, weil ich im April in Deutschland – ähh, ne, vor allem in Südtirol – sein und sie danach in Berlin verteidigen werde. Während des Messens bin ich eher längere Zeit im Labor, ohne etwas anderes machen zu müssen, d.h. ein bisschen lesen, ein bisschen Blog schreiben,…, noch wahrscheinliche 6 Tage, dann ist die Laborarbeiterei vorbei, auswerten, schreiben und noch mal ab in den Urlaub, bevor ich nach Deutschland, ähh verdammt, vor allem Südtirol, kommen werde.

Supi ist das, ich habe nämlich kein Bock mehr um 5.45 Uhr aufzustehen, und zwar jeden Tag, auch am Wochenende, die Diplomarbeit soll ja auch irgendwann mal ein Ende finde, seit 1,5 Wochen mache ich das wieder regelmäßig, nicht das beste Leben, ohne Cappuccino, hmm, der fehlt mir, aber ich muss ja bald wieder schreiben, dann kann ich wieder regelmäßig ins Cafe.

Vor einiger Zeit hatte ich noch 15 Minuten mehr Schlaf, nur mein zweites Fahrrad wurde geklaut, ich wurde vorgewarnt, bevor ich nach China gefahren bin, schlechte Fahrräder, die sofort auseinander fallen, und geklaute Fahrräder, das erste hat sich halb bestätigt, das zweite so richtig.

An meinem zweiten Tag in Shanghai, auf dem Rückweg von der Anmeldung bei der Polizei, der Fahrradladen direkt neben dran, ein tolles Giant-Fahrrad gekauft, natürlich mit Körbchen vorne, das haben alle Fahrräder hier, 40€, mit Schloss und Körbchen vielleicht 45€, super, keine Gangschaltung, ist eh alles flach, habe ich alle Chinesen überholt – selbst die meisten auf den Elektrorollern – , weil die alle so langsam fahren.

Naja, das Fahrrad blieb immer da – oder zumindest in der Nähe – , wo ich es hingestellt hatte, solange ich in der alten Wohnung gewohnt habe, dort gibt es ja auch ein abends abgeschlossenes Tor mit Pförtner, der allerdings immer schläft, wie alle Pförtner hier in der Stadt. Naja, umgezogen, Haus ohne Pförtner, Fahrräder im Eingangsflur abgestellt, offene Haustür und nach ein paar Wochen war das Fahrrad weg.

Naja, war ja eh nicht zu teuer und Lissy war zu Besuch, brauche ja auch kein Fahrrad dafür, also nachdem Lissy wieder weggefahren ist, ein neues gekauft, ein kleines, süßes, rotes Klappfahrrad, damit war ich dann zwar nicht mehr ganz so schnell, dafür war es noch billiger, was auch gut war, denn es hielt ganze zwei Wochen bei mir aus, bevor wieder einmal nach unten in den Hausflur gekommen bin und das Fahrrad weg war. Blöd gelaufen, muss ich halt jeden Morgen zur Uni laufen, arrrghhhh.

Mein drittes Fahrrad, eigentlich ist es mein zweites, am ersten Tag in Minhang, für den Riesencampus gekauft, fast nie benutzt, da es sofort kaputt gegangen ist, die Kette fiel immer runter und ich brauche es auch nicht wirklich, weil es ja auch noch den Campus-Bus gibt. Naja, jetzt habe ich es wieder aus der Versenkung geholt mir ne neue Kette und ein neues Körbchen – wo ist mein Körbchen hin, es steht ja eigentlich immer in der Werkstatt des Instituts – gekauft und einbauen lassen. Das wird dann mitgenommen nach Xuhui, mal sehen, wie lange das Fahrrad bei mir aushält, obwohl, ich will mir ein großes Schloss kaufen und es dann draußen an die Straßenlaterne binden, das sollte dann hoffentlich bis zum Ende des Sommers langen.

Zugespammt

17. Februar 2009 von Peter

Bin wieder im Labor, habe ein bisschen Zeit, während sich die MEA neben mir so langsam aktiviert. Die letzten Tage waren echt klasse, habe weiter an der Arbeit geschrieben, den Cappuccino und das super Wetter genossen, auf einmal war Frühling, T-Shirt Wetter und Sonnenschein, habe es genossen.

Am Donnerstag war ich bei Siemens, werde dort ab Juni ein Praktikum machen, bin mal gespannt, der Ausblick aus dem Büro ist nicht schlecht, man kann die bekannte Pudong-Skyline von hinten sehen, nicht schlecht das Ganze. Nach dem Vorstellungsgespräch war ich noch etwas essen und bin dann in die Taikang Lu, wenn es warm ist, einer meiner Lieblingsorte in Shanghai, da es dort die einzigen Outdoor-Cafes gibt, die ich kenne, der Cappuccino ist bei weitem nicht so gut wie in anderen Cafes, dazu auch noch teuer, aber egal, es hat die Sonne geschienen und ich wollte draußen sitzen.

Als ich im Cafe saß, kam per Zufall Kurt vorbei, ein Belgier aus meinem Sprachkurs, netter Kerl, der leider viel Pech in Shanghai hatte, ist beim Sport umgekippt, Herzfehler, zuerst in ein chinesisches Krankenhaus, danach in ein westliches Krankenhaus, in beiden nichts gefunden, nach Belgien zur OP nichts gefunden, jetzt wieder in Shanghai mit Tabletten, Mitte des Jahres wieder nach Belgien zur OP, hoffentlich finden sie raus, was ihm die Probleme am Herzen bereitet.

Naja, wir beide unterhalten uns, werden aber ständig durch ankommende SMS gestört, alles Werbe-SMS vom Muse-Club, RED HOT ANGEL XXX Hip-Hop Party, für 10 € so viel trinken, wie man will. Das interessante daran, ich dachte bisher nur ich würde die bekommen, ne, auch Kurt bekommt die regelmäßig, aber 4 Stück hintereinander, das war noch nie, sein Handy ist schneller als meins, bei ihm waren sie immer 10 Sekunden vorher da. Noch viel besser, ich bekomme die Einladungen auch immer auf Chinesisch, er nicht, obwohl sein Chinesisch wesentlich besser ist als meins, irgendwas haben sie da nicht ganz verstanden, die vom Muse-Club, woher sie unsere Telefonnummer haben, keine Ahnung.

Heute morgen, so gegen 8.30 Uhr, kam auch mal wieder mein beliebter Spam-Anruf, ist immer sehr lustig, es klingelt kurz, dann wird aufgelegt, es ist immer dieselbe Nummer, wenn man sofort zurückruft, ist das Handy – oder was auch immer das ist – nicht erreichbar. Mittlerweile kenne ich die Nummer und achte nicht mehr drauf, solange ich nicht mitten in der Nacht angerufen werde, was auch schon hin und wieder vorgekommen ist. Seitdem vergesse ich zumindest nicht mehr, mein Handy nachts auszustellen, so Spam-Anrufe haben also auch was Gutes.

Wenn man sich mit anderen Studenten unterhält, hat so jeder seine Favorites unter den Spam-Anrufen. Ein Mitschüler aus dem Kurs hatte ein Mailbox-Ansage drauf, dass er 100 RMB, so ungefähr 10 €, gewonnen hat und er solle doch bitte seine Adresse und Kontonummer auf das Tonband unter der Telefonnummer … draufsprechen, damit der Gewinn überwiesen werden könne, würde gerne wissen, wie viele Chinesen darauf reinfallen.
Auch nicht schlecht, der Anruf von irgendeinem Chinesen an Daisy, die Koreanerin, mit der ich in Beijing war. Er war anscheinend einsam und hatte einfach irgendeine Nummer gewählt, bis er eine Frau dran hatte. Naja, er fand Daisys Schmalspur-Chinesisch anscheinend so sexy – ich muss zugeben, dass ihre leicht rauchige Stimme schon was hat -, dass er sie ständig weiter angerufen hat und sich mit ihr zu einem Date treffen wollte. Leider fand Daisy ihn und seine Stimme nicht genauso sexy, sondern eher leicht nervig, ich hätte nämlich schon gern gewusst, was das für ein Typ ist, der so versucht, eine Freundin zu finden.

So, für heute ist gleich Feierabend, sitze wieder mit Decke und Heizkissen im Labor, das gute Wetter ist weg, ist wieder kälter geworden, seitdem ich im Labor bin, nur noch 6°C und Regen, arghhhhhh.

Geistervertreibung

09. Februar 2009 von Peter

Heute böllern die Chinesen schon wieder ein bisschen, weiß gar nicht wieso, keine Ahnung, vielleicht ist‘s ein besonderer Tag. Mir ist auf jeden Fall eingefallen, dass ich was über das chinesische Neujahr schreiben wollte, war ganz lustig, mit ein paar anderen Deutschen Hot Pot –mehr oder weniger chinesisches Fondue – essen gewesen und danach auf der Suche nach nem schönen Blick über die Skyline im Captain‘s Hostel gelandet, nicht schlecht, aber als Warnung für alle, die mal nach China fahren sollten, Isabellas Wein war der schlechteste, den ich je probiert habe, und teuer war er dazu auch noch.

Im Captain’s Hostel lief auf Großleinwand die tolle CCTV Sylvester, ähhmmm, Spring-Festival Show, wunderbar kitschig, nicht ganz mein Geschmack, ganz viel Tragik und ein Best-of des letzten Jahres in China – das Erdbeben, das in Deutschland ein bisschen untergegangen ist, Olympia und der erste Weltraumausstieg ein chinesischen Taikonauten – so heißen die Raumfahrer hier. Wunderbar, das Publikum der Show eher zurückhaltend, dann aber 10 vor 12 geht draußen der Krieg los, fragt mich nicht, wieso 10 Minuten zu früh, aber so ist das halt hier.

Isabella und ich haben uns noch aus Interesse die Show angeguckt, mit toller Ehrung der Taikonauten und den für das Weltraumprogramm zuständigen Ingenieuren und Generälen, dann eine schreckliche Sängerin und schon war’s 12 Uhr, Mitternacht, Sylvester, richtiges Sylvester-Gefühl, zumindest für mich, da ich bei unserem Sylvester auf Reisen war und deswegen nicht wirklich gefeiert habe. Mit meinem Glas Wein – der war unten auf der Straße gekauft und eindeutig besser als Isabellas – auf die Terrasse und dem Feuerwerk zugucken.

Als ich nach Berlin kam, dacht ich immer das Feuerwerk an Sylvester wäre Krieg, jetzt weiß ich, es geht lauter, viel lauter, viel viel viel viel lauter, es dient ja auch dazu die bösen Geister zu vertreiben. In Berlin muss man Angst haben von nem Böller getroffen zu werden, hier sein Gehör zu verlieren. Raketen gibt’s ein paar, aber meistens werden nur Böller gezündet, die sind aneinander gekettet, mal 1 Meter lang, mal 5 Meter lang, vielleicht auch mal 10 Meter lang, einmal angezündet, hat man die nächsten 1- 5 Minuten Lärm und eine Riesen-Rauchwolke darüber, übrig bleibt ein Riesen-Haufen Papierschnipsel . Wenn das nun ganz Shanghai gleichzeitig macht, hat man den größten Lärm, den ich bisher in meinem Leben gehört habe.

Das ganze ging dann aber nur bis ca. 5 nach zwölf, 15 Minuten scheinen zureichen, um die Geister zu verscheuchen. Naja, seit dem chinesischen Neujahrsfest werden immer wieder mal Geister vertrieben, zumindest gibt es immer wieder Tage, an denen ganz viele Feuerwerk loslassen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass der fünfte Tag des neuen Jahres ganz wichtig ist und siehe da, auf einmal wieder Krieg, überall, auch direkt vor der Haustür, hab am Telefon nix mehr gehört, aber egal ,war ja nach 10 Minuten vorbei, dacht ich, nicht ganz…

Am nächsten Morgen, sehr frühen Morgen, fast noch Nacht, um 5 Uhr ging es schon wieder los, um 6 Uhr dann noch mal, direkt vor dem Haus, aber lauter als sonst, es schien mir auch durch die Wohnungstür zu kommen, egal, immer für 5 Minuten, zum Glück haben zwei Mal gereicht, um die letzten Geister zu vertreiben. Naja, als ich dann mal raus bin aus dem Haus am nächsten Tag, war mir klar, wieso das so laut war, im Treppenhaus wurden anscheinend noch ein paar Geister gesichtet, dort lagen zumindest die Papierschnitzel, und die Geister haben sich wohl zu mir in die Wohnung verzogen, in dieser Woche habe ich eine meiner schönen Tassen aus Beijing und meine IKEA-Salatschlüssel runter geworfen, aber Scherben bringen ja angeblich Glück, dann hoffe ich mal, dass sich die Geister in meiner Wohnung nicht zu wohl fühlen.

Der Cappuccino-Tester

03. Februar 2009 von Peter

Wer mich kennt, der weiß, dass ich gerne einen guten Cappuccino trinke, egal zu welcher Uhrzeit, auch nach dem Mittagessen, so dass mich in Italien immer alle schräg angucken, egal. Die Betonung liegt dabei eindeutig allerdings auf gut, halt so einer wie in Italien, zum Preis wie Italien kriegt man den eh nirgends, aber zumindest der Geschmack muss stimmen und das tut er in Deutschland meistens nur teilweise.

Ich habe ja schon häufiger gescherzt, dass ich mal einen Berlin-Cappuccino-Führer schreibe, es wird nur der Cappuccino bewertet, der Rest ist egal. Naja, bisher bin ich leider nur Kreuzberg 36 Cappuccino-Kenner, Prenzlberg, Schöneberg, Friedrichshain und das andere Kreuzberg fehlen, daher ist das bisher noch nichts geworden, aber – nur mal so als Tipp – in der Oranienstraße im Milch und Zucker findet ihr den besten Cappuccino in Kreuzberg 36.

Ok, aber was hat das alles mit Shanghai und China zu tun, ganz viel, ganz, ganz viel. Hier bin ich nämlich auch so langsam zum Cappuccino-Tester geworden. Seit zwei Wochen werte ich nun aus und schreibe meine Diplomarbeit und drücke mich davor wieder ins Labor zu gehen und die letzten harten Labortage hinter mich zu bringen. Naja, Ende der Woche ist es wohl wieder so weit und das Labor wird mich wieder sehen, zum Glück ist es mittlerweile wärmer, hoffentlich bleibt das so.

Da man aber nicht den ganzen Tag so wie ich, wenn ich zu Hause bin, im Bett liegen und dort arbeiten kann – ich habe nur einen zu niedrigen Schreibtisch, der im nicht geheizten Arbeitszimmer steht -, ist ein täglicher Cafe-Besuch Pflicht. Ich kannte ja schon einige Cafes, ein paar gute, ein paar schlechte, der bisherige Favorit war das kleine, studentische Boona – der Cappuccino war der beste, den ich in Shanghai kannte -, wo es allerdings doch ganz schön schwierig ist einen Platz zu finden und die Preise aufgrund der Popularität unter den Westlern und chinesischen Jung-Designern nicht zu verachten sind.

Mehrere Wochen am Computer arbeiten, kein Fahrrad-Schloss, hmm, neue Cafes in Wohnungsnähe mussten getestet werden. Das Boxha – der zum verwechseln ähnliche Schriftzug zum Boona ist wohl nicht ganz ungewollt – hat 10 Lauf-Minuten von meiner Wohnung neu aufgemacht, beim ersten mal schrecklich laute Techno-Mucke, beim zweiten Mal bessere, ruhigere Musik, der Cappuccino, der billigste in ganz Shanghai, die Qualität gut, besser als in 99% der Berliner Cafes, ok, wird wieder hingegangen.

Dann aber die Überraschung, das Breeze, von außen eher unscheinbar, auf italienisch gemacht, sieht halt sehr Pseudo-italienisch aus, der Cappuccino aber, Original-italienischer Geschmack, der beste, den ich je außerhalb Italiens getrunken, besser als in Südtirol –ist ja auch nicht wirklich Italien -, besser als der beste Berliner Cappuccino im Milch und Zucker, hmm, lecker, genial, hätte ich nie erwartet, in Shanghai von Chinesen zubereitet, ich bin platt.

4 Mal war ich jetzt da, 3 Mal waren Italiener da, was heißt das??? Mein Cappuccino-Geschmacksinn hat mich nicht getäuscht, der wahrscheinlich beste Cappuccino Shanghai, ganz bei mir in der Nähe und dann auch noch erschwinglich, Wahnsinn, super, wenn ihr mich nicht per Skype erreicht, wisst ihr jetzt, wo ihr mich findet.

Also, jetzt habe ich ne Auswahl, alles in meiner Nähe, das alte, kleine Boona, das neue, große Boona, das Boxha, das Yamoka – das ist richtig teuer – , das Breeze, das Promegranate, das Mariannenbad-Cafe – so heißt das wirklich, ist gegenüber vom Theater und von leicht intellektuell aussehenden Menschen mit Zigarre immer total zugeraucht, ist aber ne geile Atmosphäre nach ner Aufführung – und noch viele mehr, wenn ich also mit meiner Diplomarbeit fertig bin, folgt der French Concession-Cappuccino Reiseführer.

Dann muss ich aber auch noch von der Kehrseite des Cappuccino-Rausch erzählen, der schlechteste Cappuccino Shanghais, in Zhujiajiao, einer kleinen Wasserstadt etwas außerhalb von Shanghai, gehört noch zum Shanghai District, ein genialer, aber kalter Tagesausflug mit Cafe-Besuch am Ende um auf den Bus zu warten. Ok, nach langem Zögern wagt Peter es einen Cappuccino zu bestellen, was bekommt er, mehr als einen Liter Cappuccino – ähhh Cafe mit Milch gemischt-, noch in der Cafemaschine – so eine zum Runterdrücken -, mein Gesichtsausdruck sprach Bände. Zum Glück hatten sie ne schöne Toilette, mehr als ein Liter Cafe ist nämlich echt viel – ich gebe zu, ich habe nicht alles getrunken -, nur die Toilettentür war dem kalten Wind nicht ganz gewachsen, so hatte die Bedienung auch noch ihre Ablenkung vom Fernseher, ich war auf der Toilette war dann doch interessanter.