Archiv für die Kategorie ‘die spinnen, die Chinesen’

Glück gehabt

16. Januar 2009

Sorry, dass es so lange nichts Neues im Blog von mir gab. Lissy war zu Besuch, 4 Wochen, davon 2,5 Wochen im Süden in Yunnan, toller Urlaub, aber keine Zeit zum Schreiben. Kaum ist Lissy weg, geht’s wieder weiter mit meinen Erlebnissen in China. Auf jeden Fall mal ein gutes neues Jahr an alle.

Habe gerade Lissy mit der bangen Frage zum Flughafen gebracht, ob ihr Gepäck 30 kg unterschreitet. In Deutschland eher ein Shopping-Mauerblümchen mit den immer wieder kehrenden Fragen, gefällt es mir wirklich, steht es mir wirklich, habe ich was passendes dazu, hat sie den Titel Shopping-Queen in China redlich verdient. Naja, es sind auch viele kleine Mitbringsel für Freunde dabei.

Auf das Check-In-Band gelegt, genau 30,4 kg, keine Regung des Check-In Menschens, Glück gehabt, haben nämlich gehört, dass die in China ganz genau sein sollen. Weiter vor uns mussten auch schon welche auspacken und Sachen zurücklassen.

Für’s Restaurant blieb keine Zeit und sowieso waren alle geschlossen – Freitag abend 22.30 Uhr in der internationalen Abflughalle, und sowas will eine Metropole sein, pffff – egal, kurzer Abschied, rein in den Abflugbereich, Problem Handgepäck. Wie gesagt, die Chinesen sind streng, mit zwei Personenwagen ausgerüstet wurde fast jedes Handgepäck von zwei Polizisten auf Konformität mit den IATA-Regeln –weiß jemand, wer die IATA ist – getestet.

Das Problem, Lissys Handgepäck war voller schwerer Sachen, die das Koffergewicht nicht belasten sollten. Außerdem zwei Taschen, statt nur einer. Ich hatte für den Fall der Fälle ein paar Tüten dabei, um die Sachen mit zu mir nach Hause nehmen zu können, sie wurden aber nicht gebraucht. Während beide Polizisten mit ein paar anderen wegen zu schwerer Taschen diskutierten, schlich Lissy sich durch die Mitte und sie ward von mir nicht mehr gesehen, d.h. kein Problem mit den Taschen.

Richtig Glück gehabt, ich wartete noch 15 Minuten, falls sie doch noch zurückkommen würde, um Gewicht in Shanghai zu lassen, doch sie kam nicht. Gut so, bekam ich doch eine coole Show geboten. Ich würde mal behaupten, jeder fünfte hatte zu viel Handgepäck, d.h. entweder einen anderen Passagier, der wenig Handgepäck hat, anlabern, dazu überreden das Handgepäck an den Polizisten vorbeizutragen und es danach wieder den Besitzer zurückgeben, oder Sachen in Shanghai lassen oder zum Check-In zurückgehen und das Handgepäck einchecken.

Naja, diskutiert wurde dabei immer, die Polizisten hatten sichtlich Spaß jedes Köfferchen auf die Waage zu stellen und grimmig dabei zu gucken. Am wenigsten Glück hatten die vielen Japaner, da die in Shanghai erstandenen Tüten von Luxus-Marken einfach zu schwer für die Sicherheitsleute waren. Auch zwei Einkaustüten sind zu viel. Laut IATA darf das Handgepäck nur einen Koffer und eine Tüte Waren umfassen. Zwei Tüten mit eingekauften Waren und kein Koffer geht also nicht,…
Auf der Rückfahrt dann noch ein typischer chinesischer Taxifahrer, ja keine Wärme im Auto aufkommen lassen. Eingestiegen, mollig warm, Pulli aus, nach einiger Zeit, Taxifahrer-Fenster bisschen auf, 10 Minuten später Fenster halb auf, 10 Minuten später Fenster ganz auf und mantafahrer-mäßig durch Shanghai cruisen. Als dann auch noch das Fenster der Beifahrerseite halb auf war, saß ich schon längst in meiner Winterjacke mit aufgezogener Mütze im Taxi, draußen waren nämlich nur maximal 3° C.

Glückliches Single-Dasein

22. November 2008

Teil II der chinesischen Eigenarten, gestern abend war ich zu müde, sie weiter auszuführen, heute morgen, bei nem warmen Tee ohne Stress und Müdigkeit geht doch alles gleich viel besser und leichter von der Hand.

Chinesen, zumindest im reichen Shanghai, lieben Shopping, großartig andere Sachen, um Geld auszugeben gibt es ja auch nicht. Ich habe schon einmal geschrieben, dass ich mich wundere, was die Chinesen abends und am Wochenende machen. Theater und andere Kultur gibt es ganz wenig, ein paar wenige Pop-Konzerte, Kino ist richtig angesagt unter jungen Chinesen, in den Bars und Clubs findet man aber ziemlich wenig Chinesen,…,also ist Shopping bis abends angesagt. In meinem Lehrwerk gibt es als Wochenendbeschäftigung auch nur Fernseh schauen, Lernen, Wäsche waschen, die Wohnung putzen und Musik hören, hört sich nicht so nach einem brilliantem Wochenende an. Da ich aber immer wieder höre, dass sie gerne zusammen trinken, muss das wohl nach dem Abendessen im Restaurant oder zusammen mit Freunden zu Hause stattfinden.

Eigentlich wollte ich aber auf was anderes raus. Da die Chinesen Shopping lieben, muss die Werbung natürlich auch immer wieder neue Feiertage erfinden, um die Shoppinglust anzuheizen. Am 11.11. ist zum Beispiel Single’s Day. Ich habe mich abends mit ein paar anderen zum Abendessen getroffen. Dort haben sie erzählt, dass ihre chinesischen Kollegen den ganzen Tag SMS für einen glücklichen Single’s Day an ihre Freunde geschickt haben.

Naja, mal im Internet nachgeschaut. Der Feiertag wurde von Studenten in Nanjing Anfang der 90er Jahre aus Spaß das erste Mal gefeiert. Jetzt wird er promoted als Tag, an dem das Single-Dasein als glückliche und zufriedenstellende Lebensform gefeiert wird. Die Werbung hat den Tag aufgegriffen, es gibt spezielle Speisen für den Tag, man schenkt anderen Singles kleine Geschenke, man schickt sich SMS, abends geht man zusammen mit seinen Single-Freunden zusammen essen und danach in Bar um jemanden abzuschleppen. Mich würde es mal interessieren, ob der Tag so auch in anderen, nicht so wohlhabenden Gegenden Chinas gefeiert wird. Bei der Recherche habe ich sogar herausgefunden, dass es am 14.2. als Gegenbewegung zum Valentins-Tag – auch so eine sinnlose Erfindung der Werbeindustrie – in Asien den Single-Awareness-Day (SAD) gibt, damit auch die Singles Geld ausgeben können. Schöne, heile Konsumwelt halt.

Ich hatte ja auch schon mal von den Star-Wars mäßigen Sonnenschutz-Kopfbedeckungen beim Fahrradfahren erzählt. Jetzt habe ich einen coolen Sturzhelm entdeckt, den zwei ältere Chinesen gestern auf dem Mofa trugen. Einfach einen alten Reiterhelm genommen, ein Visier drangeschraubt, sah echt cool aus.

Die Arbeitszeiten sind in Shanghai auch ein bisschen anders. Wegen der Ein-China-Politik gibt es in ganz China nur eine Zeitzone, d.h. im Osten bei mir geht die Sonne sehr früh auf, dafür wird es aber auch früh wieder dunkel. Dadurch stehen die Chinesen hier sehr früh auf, um 6 Uhr ist der Park mit Frühsportlern überfüllt – einmal überprüft, ob es stimmt, danach wieder länger geschlafen –, die meisten Supermärkte machen um 7 Uhr auf, etc.

Leider fangen auch die Bauarbeiter sehr früh an. In der alten Wohnung wurde ein paar Stockwerke unter mir eine Wohnung renoviert, ab 7 uhr ging’s los, um 10 Uhr war Mittagspause und 13 Uhr ging’s weiter bis um 15 Uhr. Irgendwie scheinen sie nicht so viel zu arbeiten, um 7 Uhr muss aber jeder wach werden im Hause.

Das Haus meiner neuen Wohnung wird auch noch von außen renoviert, das heißt für mich natürlich auch am Wochenende ab 7 Uhr Baulärm ohne Rücksicht auf das Wochenende – das gibt es hier nicht wirklich, alle Geschäfte sind offen -, letztes Wochenende haben sie am Sonntag um 7 Uhr direkt an meiner Wand herumgebohrt, kein guter Wecker, heute – Samstag – haben sie an meinem Fenster herumgearbeitet. Naja, kurz nachgeguckt, das Gerüst – aus Bambus natürlich und nur von Plastikschnüren zusammen gehalten – wird abgebaut, ein bisschen Farbe wurde vom Fenster abegekrazt, herrlich ab nächster Woche kein Baulärm mehr.

So, mehr fällt mir gerade nicht ein, die besten Geschichten vergesse ich sowieso immer, bevor ich sie aufschreibe, so dass ihr hiermit zufrieden sein müsst. Morgen geht es auf den Stoffmarkt, Winterklamotten schneidern lassen, ist nämlich ganz schön kalt geworden, hätte ich nicht gedacht.

Wenn sie den Lärm ihrer Städte vermissen, produzieren sie ihn selbst

22. November 2008

Wo soll ich anfangen, bin umgezogen, hatte viel Stress in letzter Zeit, Wohnung suchen, umziehen, Sachen für die Wohnung kaufen, rausfinden, wie die Klimaanlage heizt, ausgehen, Weihnachtsgeschenke kaufen und nach Deutschland schicken, … komme gar nicht mehr dazu zu bloggen. Habe ja von einigen gehört, dass es in Deutschland ganz gut ankommt, was und wie ich schreibe, ich solle nicht so oft das Wort geil benutzen. Ich werd’s versuchen, kann es aber nicht garantieren. Ich habe auch ständig Ideen, was ich schreiben kann, habe aber keine Zeit sie zu bloggen, so dass ihr leider immer wieder die besten Geschichten verpasst und das hier nur die zweite Wahl an Erlebnissen aus China ist.

Naja, inspiriert von Janns Kategorie die spinnen, die Chinesen will ich ein bisschen was über Chinesen und ihre Eigenarten schreiben. Auch wenn es vielleicht negativ rüberkommt, über das meiste lache ich, ganz selten nur, finde ich es nervig. Eines der auffallendsten Merkmale der Chinesen ist die enorme Lautstärke, die sie verbreiten, egal wo, wann und weshalb. In Deutschland nehmen wir die Chinesen ja eigentlich sehr oft als zurückhaltend und leise war, das muss aber daran liegen, dass sie sich wegen der ungewohnten Umgebung und der Sprachbarriere sehr zurückhalten.

Oft genug habe ich schon gedacht, dass sich Chinesen streiten, dabei unterhalten sie sich nur. Ein paar Männer beim Abendessen, Zigarettenrauch, ein paar Schnäpse – zumindest im Winter – und eine unglaublich emotionale und laute Unterhaltung sind garantiert. Leider verstehe ich sie dabei nicht, würde ja gerne mal wissen, worüber die sich unterhalten. Über Frauen bestimmt, Politik, Sport, Musik??? Auf dem Heimweg nachts habe ich letztens extra die Straßenseite gewechselt, da ich keinen Bock hatte direkt an einer Schlägerei vorbeizulaufen. Naja, was war’s, ein paar Polizisten, die bei der Kälte nachts Wache stehen mussten, eine Flasche Schnaps dabei hatten, die schon fast leer war, sich unterhielten, diskutierten und sich dabei, wie bekloppt auf dem Rücken rumhauten, sah lustig aus, hab aber keine Ahnung über den Sinn der Übung.

Naja, auf Reisen haben mich andere chinesische Touristen bisher eher genervt, meistens in Gruppen unterwegs, vorneweg ein guide mit wahlweise gelben, grünen, blauen oder roten Fähnchen und mit einem kleinem Megaphon ausgestattet, hinterher die Gruppe entweder mit gelben, grünen, blauen oder roten Buttons oder mit gelben, grünen, blauen oder roten Schirmmützen ausgestattet. Überall wird kurz angehalten, in allen möglichen Formationen ein Foto mit dem Peace-Zeichen und in den unglaublichsten Posen gemacht, weiter geht’s zum nächsten Highlight. Das Problem dabei ist, das entweder der guide in sein Megaphon brüllt oder die Touris vor lauter Freude – vielleicht auch wegen was anderem – losschreien.

Das Highlight in der Hinsicht war bisher die große Mauer. Bei unserer kurzen Wanderung sind wir einigen chinesischen Reisegruppen begegnet. Naja, Lärmbelästigung könnte man das nennen. Wer als erster der Gruppe am nächsten Wachturm angekommen ist, schreit laut, der Rest der Gruppe antwortet mit lautem Geschrei, der zweite der am Wachturm schreit auch, der Rest der Gruppe antwortet mit lautem Geshrei,… , das gleiche Ritual wird vollzogen, wenn es eine große Steigung oder ein großes Gefälle auf der Mauer gibt. Wer oben/unten als erster angekommen ist, schreit, die Gruppe antwortet, wer als zweiter angekommen ist, schreit, die Gruppe antwortet,… . Zum Glück wird an jedem Wachturm in jeder möglichen Kombination ein Foto gemacht, so dass man als normaler Wanderer trotz einiger Pausen die Chinesen relativ schnell abhängt und dann bald seine Ruhe hat, bis man die nächste Gruppe überholt.

Ich wurde ja auch oft davor gewarnt, dass die Chinesen so laut sind beim Essen und überall hin spucken, bis jetzt bin ich enttäuscht, so schlimm ist es nicht, vielleicht habe ich mich aber auch nur schon zu sehr daran gewöhnt. Letztens saß ich aber in einem eher westlichen Cafe, nur Leute mit Laptop da. Die Nudeln müssen gut sein, weil fast jeder Nudeln hatte. Naja, die italienische Pasta wird von den meisten Chinesen auf chinesische Art und Weise gegessen, also rein in den Mund und alle Nudeln nach und nach in den Mund saugen, nette Geräuschskulisse. Über meinen direkten Nachbarn musste ich aber lachen, wahrscheinlich der Weltrekordler im laut Essen und Trinken.

Vorspeise ein Salat und dazu Tee. Salat in sich reingehauen, möglichst schnell, nach jedem dritten Biss ein bisschen rülpsen, ein paar Mal furzen, und zwischendrin bei jedem Schluck Tee ein Stöhnen von sich geben, als hätte er ein Orgasmus. Ich gebe zu, es war kalt in dem Cafe, die Tür stand offen und die Heizung war noch aus, aber eine solche Befriedigung gab mir mein Tee nicht. Vielleicht war es die falsche Teesorte??? Danach noch Spaghetti Carbonara, durchs Reinsaugen in den Mund die Hälfte der Sauce auf der Rückseite seines Computers verteilt und nach jedem Biss ein kleiner Rülpser. Auf jeden Fall ein tolles Konzert, ich wär beinahe vor Lachen von der Bank gefallen.

Mein persönliches Spuck-Highlight war bisher die Busfahrt auf dem Rückweg von Putuoshan. Neben mir, zum Glück nicht direkt neben mir, sondern durch den Gang getrennt, saß ein Chinese, der ständig seinen Speichel los werden wollte. Also hochgezogen, gesammelt, an jeder zweiten Ampel über seinen am Fenster schlafenden Sitznachbarn gelehnt, Fenster auf, rausgerotzt und wieder angefangen zu sammeln, eine Endlosschleife. Bisher konnte mir noch niemand erklären, woher das kommt, dass die Chinesen ihre Spucke sammeln und ausspucken, würde mich mal interessieren.

Dann noch ein kleiner Typ an alle Männer, die ein Rendesvouz mit einer Chinesin haben, auch dann kann gerülpst, gespuckt und gefurzt werden. Auf Reisen ist uns das an den schönsten und romantischsten Orten aufgefallen, zu zweit unterwegs, und plötzlich ein kleiner Rülpser,…, das ist kein Problem und nur die Ausländer drehen sich verwundert um, wenn sie das bei einem Pärchen das erste Mal bemerken. Aber aufpassen, Frauen können das auch, auch dann dreht sich nur der komische Ausländer verwirrt um.

Noch einmal, nicht dass es falsch verstanden wird, eigentlich kommt das ganze sehr selten vor, das hier sind nur die Extrembeispiele und in Shanghai nehme ich es viel seltener als in Qinghai war. Naja, morgen kommt dann ein weiterer Teil über die spinnen, die Chinesen.