Filmwoche

By Peter

Das Shanghai International Film Festival – bezeichnenderweise mit SIFF abgekürzt – geht morgen zu Ende, eine glorreiche Woche, weiß zwar nicht für wen, aber nicht für den Film, habe mir zwei deutsche Filme angeschaut, Kristina arbeitstechnisch – Goethe-Institut Praktikanten kriegen das halt bezahlt – drei deutsche und einen chinesischen.

Naja, große Namen sind da, Danny Boyle ist der Vorsitzende der Jury, Andy McDowell muss sich das auch antun, egal, die kriegen ja wahrscheinlich noch Geld dafür, wenn nicht, zumindest Publicity, ich muss dafür sogar Geld bezahlen, im Nebenprogramm laufen viele Hollywood-Filme, aber auch ein paar europäische Filme u.a. auch Jerichow, soll gut sein, war aber schnell ausverkauft, naja habe ich mir Dorfpunks angeschaut, die Idee nicht schlecht, Buchverfilmung, das Leben und die Entwicklung von ein paar jugendlichen Punks in einem kleinem Kaff im Norden Deutschlands (Schmalenstedt), mehr als ein bisschen Slapstick ist es nicht, die Musik ist super, viele angefangene Geschichtsstränge, die nicht weitergeführt werden, am Ende total moralisch, aber platt, und wie so oft die Frage, wie der Caster und der Regisseur auf die Auswahl der Schauspieler kommen, der Hauptdarsteller-Punk sieht einfach viel zu gut aus für den Rest, man nimmt ihm das Punk sein überhaupt nicht ab, nicht einmal verrutscht die Hose nichts, dreckig wird er auch nicht, obwohl er ständig auf dem Boden liegt, seltsam, seltsam, egal, das Interessanteste waren die Reaktion der Chinesen, selbst FangFang – meine Sprachpartnerin und eher westlich – war geschockt, Jugendliche, die nur saufen und nichts lernen und dann auch noch versuchen, besoffen Sex zu habe, es aber nicht schaffen, und dass das auch noch alles gezeigt wird…

Naja, das Highlight der Filmwoche sollte noch folgen, Ein Teil von mir, ich im Internet keine Info über den Film gefunden, egal, Freitag, der deutsche Wettbewerbsbeitrag, Fremdschämen ist angesagt. Kann mir jemand erklären, wie es eine Kleine-Fernsehspiel-Produktion des ZDFs es schafft, auf ein A-Festival – d.h. zumindest offiziell steht es auf einer Stufe mit Berlin, Cannes, Venedig, etc. – eingeladen zu werden, der Plot pseudo-moralisch bis zum Umfallen, sie, 15, schwanger, kriegt ihr Kind, er, auch 15, bekennt sich nicht dazu, sie erzieht das Kind alleine, hat Probleme mit ihrer Mutter, er bekennt sich langsam zum Kind, als er es seinen Freunden zeigt –wieso die überhaupt befreundet sind, wird auch nicht klar, da sie eigentlich über haupt nicht zusammen passen –, ist das Motorrad des Ober-Coolen wichtiger, er lächelt das Kind an, Ende, oh mann, das Skript auf dem Niveau von Film-Hochschul-Bewerbungsfilmen – nein, eigentlich auf dem Niveau von 10.-Klässlern, die Musik grottig, das ZDF will keine GEMA-Gebühren mehr zahlen, der Regisseur grottig, die Szenen wirkten so platt und unecht, die Texte grottig, hörte sich an, also würden sie aus dem Textbuch ablesen, naja, die Schauspieler gingen, wieso der 15-jährige, ok, am Ende war er 17, Hauptdarsteller größere Geheimratsecken hat als ich, ist mir bis heute nicht klar, wo war da der Caster und was hat er getrunken, als er den ausgesucht hat??? Egal, Kristina und ich hatten unseren Spaß, da der Film so schlecht war, dass wir ohne Gewissensbisse die ganze Zeit Witze drüber machen konnten.

Das echte Filmhighlight dann am Samstag, kein SIFF-Kram, sondern ein Doku-Film über die Bewohner eines Hauses in Shanghai, Building 173, in einer Gallerie, vom Dach der Gallerie Blick auf das Gebäude, englischer Regisseur, schwedische Produzentin, die selbst in dem Gebäude gewohnt hat, sehr interessant, eine bessere Geschichtsstunde, beeindruckend die Menschen, die ihre Geschichte und die Geschichte der Hausbewohner erzählen, unglaublich die offene Abrechnung der Bewohner mit dem Großen Sprung nach vorne und der Kulturrevolution, ganz offen, ohne Drumrumzureden, leider fast keine Chinesen da, obwohl, so was geht wahrscheinlich auch nur, wenn nicht zu viele Chinesen davon was mitkriegen, wie gesagt, war eine öffentliche Abrechnung mit Mao, dazu noch das Gebäude, früher gespickt mit Luxuswohnungen, heute ein ganz normales Haus in Shanghai, obwohl, ein englisches Paar hat sich ein Teil des oberen Stockwerks gekauft und renoviert, sieht toll aus, fast wie früher, voll mit Art-Deco Möbeln, etc.

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