Geisterstunde

By Peter

Wieder mit Schwester unterwegs, Miguel getroffen – Spanier, hat in Darmstadt studiert teilweise studiert – Indonesisch essen, Premiere für mich, lecker, aber auch nicht so anders als anderes asiatisches Essen, ein bisschen Holländisch beeinflusst, danach das Bundesligafinale angeguckt, bei Yao Mings Eltern natürlich, nicht wirklich spannend, da Wolfsburg so schnell geführt hat, kurz gefreut, die Bayern sind nicht Meister geworden, dafür eine Stadt ohne Balkon zum Feiern, juhu, danach zum Kiosk, 10 Flaschen Bier gekauft, in ein Taxi zu einer Party von Miguel.

Im Taxi noch einmal die genaue Adresse erfragen, blöd, keiner geht ans Telefon, wird schon stimmen, angekommen, stimmte auch, mitten Hongkou, außenrum eher kleine Häuser, ziemlich verfallen, drinnen ein Compound mit 30-stöckigen, neuen Wohn-Hochhäusern, bizarre Welt, die richtige Atmosphäre und das optimale Setting für einen Teenie-Schocker, wir also zu Haus 10, rein in den Aufzug, in Stock 30 ist die Party, in Stock 16, nichts geht, der Aufzug steht, die Tür geht nicht auf, dem Schwesterchen stockt der Atem, Höhe liegt ihr ja nicht so besonders, ok, alle Knöpfe gedrückt, den Hausmeister ans Mikro gekriegt, der sagt was mit 1, irgendwann den Knopf für den ersten Stock gedrückt, ab, es geht wieder runter, ok, rein in den zweiten Aufzug, Schwester will nicht so recht, egal, alles egal, da der überhaupt nicht losfährt, wir wieder raus, immer noch meldet sich keiner auf Miguels Anrufe, scheiße, was tun, wir haben 10 Flaschen Bier, zumindest die wollen wir loswerden, also keine Chance, laufen heißt das Zauberwort.

Ich dachte, die spinnen, aber ok, sie sind schon auf dem Weg nach oben, blöd nur, es gibt nur Ausgänge zu den ungeraden Stockwerken, hmmm, kommt mir suspekt vor, aber egal, in 10 Minuten sind wir oben, 30 Stockwerke, 5 Bier + meinen Diplomarbeitsbauch die Treppe hochgewuchtet, es gibt ein Problem, wir hören Musik, aber wo ist der 30. Stock, es gibt den 29. Stock, aber dort ist die Tür geschlossen, im 31. Stock, steht die Haustechnik, blöd, wir klopfen an eine Balkontür im Mittelgeschoß zwischen 31.und 29. Stock, nichts tut sich, Miguel versucht anzurufen, nichts tut sich, Problemlösung, wieder runter, 30 Stockwerke, blöd gelaufen, Peter ist genervt, will gehen, Miguel erreicht jemanden auf der Party, Problemlösung, es gibt einen Einbruchsschutz, der Fahrstuhl muss freigeschaltet werden, entweder oben in der Wohnung, oder unten mit einem Code, ok, jetzt ist er freigeschaltet, wir rein in den Aufzug, Schwester leicht weiß im Gesicht, locker in den 30. Stock, wir sind da, die Tür der Wohnung ist offen, wir sind da.

Die Party auf jeden Fall nicht so der Bringer, geile Wohnung mit Balkonblick auf Skyline und Bund, 5 Kerle wohnen dort, so sieht die Wohnung auch aus, könnte man mehr draus machen, eine Deutsche, die in Spanien aufgewachsen ist, mit komischer Ich-bin-nicht-Deutsch-Neurose, sonst fast nur Jungs da, ein bisschen was trinken, dann gehen wir wieder, nicht ohne nach dem Treppenhaus zu gucken, Verwirrung, Entsetzen, bin-ich-blöd-Denken, direkt neben dem Aufzug, der Eingang zum Treppenhaus, mit einer 30 drüber, häh, unten geht man direkt neben dem Aufzug in ein Treppenhaus mit Zugang zu den ungeraden Stockwerken, oben in eins mit den geraden Stockwerken, irgendwas ist schief, der Aufzug, das Treppenhaus, mein Hirn, irgendwas stimmt hier nicht, ein Geisterhaus?

Das Setting für einen Grusel-Gemetzel-College-Teenie-Party-Schocker war auf jeden Fall gegeben, das Drumherum fehlte nur, keine auf den Metzelhöhepunkt hinweisende Musik, kein Typ mit Maske im Gesicht, keine Kettensägen und Zombies und keine College-Teenie-Mädels mit Riesenausschnitt, egal, wir also runter, Ziel erfüllt, die Biere waren abgegeben, rein in ein Taxi, der Fahrer ein netter Chinese, hatte seinen Spaß, ein unglaubliches Lachen, einfach so, ohne Grund, ständig sein Lachen, mehr ein Krächzen, eine Kettensäge im Kofferaum? Liegt irgendwo eine Maske im Auto? Naja, im Radio ein Hörspiel, wohl doch kein College-Teenie-Metzelmörder, dazu die Besetzung, – in dem Falle wir – zu alt, zu unsexy, zum Glück würde ich sagen.

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