Heute morgen früh raus, habe meinen Professor getroffen um die Diplomarbeit bei ihm abzugeben, ganz ungewohnt für mich, aber richtig schön, da heute der Sommer so richtig angefangen hat, habe auch gelernt, dass nach dem Mondkalender gestern der Sommer angefangen hat, passt also perfekt. Ich habe ja erzählt, dass die Zeit hier wegen der Ein-China-Politik ein bisschen verschoben ist, also um 6 Uhr steht die Sonne hoch am Himmel, um 7 Uhr sind es 20°C perfekt, um nach dem Professor-Treffen laufen zu gehen, später wäre es wegen der Hitze die Hölle geworden.
Gefrühstückt, aufs Fahrrad, vergessen die Laufschuhe anzuziehen, also zurück, Schuhe wechseln, Stress, aber doch rechtzeitig, danach zum Supermarkt auf dem Campus, ein Wasser gekauft, dann ein echtes Highlight. Ein alter –schätzungsweise mal mindestens 60 Jahre, eher 75 Jahre alt – Mann, das Gesicht unter einem großen Hut versteckt, für Chinesen ungewöhnlich mit unrasierten Bart – viele bekommen ja keinen -, er also spricht mich an, gutes Englisch, ich ein bisschen baff, aha, besseres Englisch als 99,99% der Chinesen sprechen, aha, hat mal in Russland studiert, Englisch nur durch ABC und CNN gucken gelernt, naja, das glaube ich ihm nicht, aber egal, dann geht es weiter, in den 60er Jahren Trainer der chinesischen Wasserspringer, seine damaligen Zöglinge sind die Trainer der Goldmedaillengewinner in Atlanta und Sydney, beeindruckend, ein echter Volksheld also, da Wasserspringen hier unglaublich populär ist – wie alles, in dem sie Medaillen gewinnen, auf jeden Fall kennen die Chinesen die deutschen Wasserspringer wahrscheinlich besser als die Deutschen, da hier jeder Weltcup übertragen wird, das Liebesleben der erst 15 Jahre alten Olympiasiegerin, Name hab ich natürlich vergessen, hat wochenlang die Sportnachrichten gefüllt – ob ich ihm das glauben soll, keine Ahnung.
Kurzer Small Talk, dann ab ins Stadion zum Laufen, wahnsinnig viel los, Erinnerung, es ist erst 7.20 Uhr, spannend dort Runden zu laufen, eine Art Elvis-Tolle ist bei Älteren total in, man sieht halt nur die fehlenden Haare ein bisschen durch, rückwärtslaufende Menschen, komische Dehnübungen machende Menschen, Schwertkampf/-tanz übende Menschen – überraschenderweise mit Metallschwertern, die sahen verdammt gefährlich aus, jetzt mal im Ernst -,…, das Wichtigste dabei, die Lautstärke, das ist einfach wichtig, die darf nicht fehlen, ein echt cooler Soundtrack am Morgen, mein liebster ist ein Mann, der im Schatten steht, sich auf die Brust haut und bei jedem Schlag einen kleinen Schrei loslässt, ich würde mal sagen, mindestens 10 Minuten ging das so, wie gesagt, einfach spannend.
Auf dem Rückweg dann eine kleine Modenschau der diesjährigen Regen-/Sonnenschirm-Kollektionen – die chinesische Frau darf ja nicht zu dunkel werden, am besten überhaupt nicht – die Studentinnen eher unspektakulär, die mittelalten Frauen dafür um so mehr, Seide ist es wohl nicht, aber ganz feiner Stoff, sieht verdammt teuer aus, dazu dann entweder Stoff oder Strass eingenäht, feinste Blumen, Frauen in eleganten Qipaos, Berglandschaften, alles mit Strass oder Faden eingenäht, Wahnsinn, sah echt gut aus, naja, auf dem Fahrrad/Mofa macht es dann noch die gewöhnliche StarWars Maske, muss mal ne gute fotografieren.
Dann nach Hause, war erst 8.10 Uhr, eine perfekte Zeit, um die Wohnung zu putzen, jetzt glänzt sie, der Staub ist einigermaßen entfernt – hält maximal 2 Tage -, bei einer größeren Wohnung würde ich wahnsinnig werden , egal, Sabine kann kommen, die Wohnung ist sauber, zumindest um 10.30 Uhr, mal sehen, wie viel Staub morgen auf dem Tisch ist.
P.S. Ich habe mich gerade erinnert, dass ich in Dali auf dem Markt ne sehr coole Sonnenschtuzmaske gesehen habe, ist nicht StarWars, ist aber trotzdem zwei Fotos wert.
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