Sonntag abends gehe ich hin und wieder in den Jz Club, der ist vielleicht 10 Minuten von meiner Wohnung entfernt, gewöhnlich spielen sonntags dort die Possicobilities – eine Geige, Drums, ein Kontrabass, ein Piano und Coco Zhao als Sängerin – wie gesagt, gewöhnlich spielen sie dort, die paar Mal, die ich dort war, spielte immer nur ein Teil der Possicobilities, und Coco Zhao hatte ich noch nie gesehen, leider, sie ist bei einem amerikanischen Label unter Vertrag und der Superstar der chinesischen Jazz-Szene, naja, diesen Sonntag war es soweit.
Ich in den Jz-Club, höre eine sehr hohe Stimme, erst einmal verwirrt, da ist ja gar keine Frau auf der Bühne, sondern ein kleiner Chinese mit verdammt weiblich klingender Stimme, naja, das Aüßere ganz lustig, graue Hose, graues, ziemlich anliegendes T-Shirt mit verdammt tiefen Ausschnitt – äh, so nennt man das bei Männern nicht, äh, wie nennt man das bei Männern nur, egal, auf jeden Fall war recht viel Haut der nicht gerade muskulösen Brust zu sehen – links ein riesiger Ohrring, ein bisschen gegelte Haare und eine Stimme, die ich auch beim Reden doch eher einer Frau zuordnen würde, dazu Gekichere zwischen den Liedern, ein bisschen unbeholfen in den Liedpausen und insgesamt ein bisschen unsicher,egal, super, die Musik gut wie immer, nur Peng Feis verstärkte Elektro-Geige war mir wie immer ein bisschen zu schräg, zu schrill, zu quietschend, ihm vielleicht auch, beim Spielen sieht sein Gesicht immer aus, als hätte er tierische Zahnschmerzen, schade, dass ich die anderen Gesichter nicht richtig sehen konnte, ist doch immer lustig, den Leuten beim Jazz-Spielen die volle Hingabe im Gesicht ablesen zu können.
Dann die erste Pause, komisch der Sänger heißt Coco, hmmm, haben sie jetzt einen Sänger, der auch Coco heißt oder nennen sie ihn nur so aus Verarschung so, weil er Coco Zhao vertritt, egal, die Musik war gut, der Wein wie immer beschissen, muss ich mir merken, das nächste Mal trinke ich dann doch wieder ne Cola, oder so – was könnt ihr mir empfehlen zu trinken, ich mag kein Bier, der Wein ist nicht gut, Cocktails zu teuer, außer Saft und Cola noch ne Idee? – , dann noch eine Runde Musik, ein verrückt guter Trompeter zu Gast, der im Hauptberuf Banker ist – vielleicht muss er ja während der Finanzkrise nebenbei ein bisschen Kohle ranschaffen – schön wars, aber 1.30 Uhr ist dann schon ne Zeit nach Hause zu gehen, gelohnt hat es sich.
Heute, ich surfe ein bisschen im Netz, wollte was im Blog über gestern abend schreiben, gehe auf die MySpace-Seite der Possicobilities und auf die von Coco Zhao, mache die Musik an, schaue auf die Fotos, und siehe da, mir geht ein Licht auf, auf den Fotos der Possicobilities erkenne ich die vier Musiker und Coco, den Sänger von gestern, häh, Coco Zhao ist gar keine Frau, schnell auf die Seite von Coco Zhao, die Fotos, ähhh, das ist er, ich bin verwirrt, hört euch die Lieder an, schaut das Foto auf der Startseite der MySpace-Seite an, dazu der Name, den chinesische Frauen benutzen, ich war zu 100% überzeugt, dass Coco Zhao ne Frau ist, naja, jetzt habe ich den wohl bekanntesten Jazz-Musiker Chinas gesehen, gut wars, nächsten Sonntag auf ein Neues.