Unglaublich, das ist das Wort, mit dem ich Shanghai bis jetzt beschreiben kann. Einfach nur Wahnsinn, die Größe, die Masse an Leuten, das Erlebnis Shanghai. Ich habe in 5 Tagen bereits so viel erlebt, dass ich die Hälfte davon bestimmt schon wieder vergessen habe.
Ich wohne in einem nur 5 stöckigen Haus in Xuhui – zum Glück in einer ruhigen Nebenstraße – und die Umgebung ist ein bisschen, wie ich es mir in Shanghai vorgestellt habe. Hochhäuser, die meistens grau sind, viele Autos auf der großen Strasse und viele Menschen auf dem Bürgersteig. Die Luft nicht die beste, aber nicht so schlimm wie befürchtet und im Sommer eine für mich bisher unbekannte Schwüle.
Am Dienstag war ich dann das erste Mal geschockt. Ich bin runter zur U-Bahn – etwa 20 Minuten von mir – an einer Baustelle vorbei und plötzlich eine Kreuzung mit unglaublich vielen Menschen und noch mehr Shopping-Malls. In die eine bin ich auf der Suche nach einer Toilette rein, ein Wahnsinn. 6 Stockwerke, Marken aus aller Welt, ein Stockwerk nur Bücher,… . Abgefahren, größer als alles, was ich in den USA gesehen habe. Runter zur U-Bahn, Rush Hour, blinkende Werbung, och, Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn…
Am Mittwoch abend war ich erst essen, dann noch ein bisschen spazieren. Beim Essen schaute ich mir die Leute und die vorbeifahrenden Leute mal an, das erinnerte mich schon sehr an New York, obwohl die Autos hier besser aussehen als in New York. Beim Spazierengehen an einem Park vorbei, plötzlich chinesische Pop-Musik und Paare tanzen Standard-Tänze dazu. Danach in die Parallelstraße von mir, totale Luxus-Gegend, alles videoüberwacht, mal wieder Wahnsinn, weil es bei mir nicht wirklich nach Luxus aussieht. Auf dem Rückweg zu mir brennt ein Haus, ein Restaurant steht in Flammen, die Feuerwehr ist da und die Bewohner des Hauses stehen auf der Straße, in Unterwäsche. Jetzt weiß ich, was alte Chinesen und Chinesinnen so tragen, wenn sie schlafen gehen. Am nächsten Tag habe ich allerdings gemerkt, dass zumindest die Männer so auch zum Rauchen auf die Straße gehen.
Heute abend dann zu einer Lesung von Silke Scheuermann, ein mir bisher unbekannter Name. Sie ist writer in residence in Shanghai, eingeladen vom Goethe-Institut. Viele Chinesen dort, ein paar Schüler der deutschen Schule, sonst ein paar Deutsche. Ihr Buch, an dem sie gerade arbeitet , spielt zum Teil in Shanghai, daher auch der Aufenthalt in Shanghai. Zur Stadt Shanghai fällt ihr nach einem Monat Aufenthalt nur unglaublich ein. Wie wahr. Wollte eigentlich noch in einen Jazz-Club, war aber zu müde, morgen will ich mal so richtig ausgehen. Mal sehen, was ich dann vom Nachtleben erzählen kann.
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