Atomarer Wahnsinn

06. August 2009 von Peter

So, heute mal was Fachliches, zumindest was nicht unbedingt Chinesisches, aber was, was mit meiner Arbeit in China zu tun hat, Elektrizitätsmärkte in Asien, liberalisiert, reguliert, wo kann Siemens einen Haufen Schotter verdienen, wo wird sich geärgert, dass Kohlekraftwerke gebaut werden, die bauen nämlich die Chinesen und Russen billiger, das ist deutsche Ingenieurskunst einfach zu teuer.

Kommen wir zum Wahnsinn, einige Länder hier, nicht China, wollen ihre Stromerzeugungskapazität in 15 Jahren versechsfachen und schaffen das wahrscheinlich auch (Vietnam), andere wollen noch mehr und werden es nie schaffen, Bangladesh, nur die wollen auch ein Atomkraftwerk bauen, haben bereits die ersten Genehmigungen der Internationalen Energie Atom Behörde (IAEA) erhalten – die IAEA hat dabei aber auch gewaltige Bauchschmerzen – , 2016 soll der Bau gestartet werden, wahrscheinlich kommt die Technik aus Russland mit Siemens Turbine, naja, selbst mein Chef hat die Arme über dem Kopf zusammengeschlagen, das Kraftwerk soll mitten im Erdbebengebiet gebaut werden, in einem Land, in dem 25% der Kapazität wegen schlechter Wartung, Korruption und Unfähigkeit nicht zur Verfügung stehen, keine guten Aussichten, man kann nur das beste hoffen, wenn wir in Deutschland es schon nicht schaffen, den Meiler in Krümmel nach zwei Jahren Wartung ans Netz zu bringen, dann werden es die Bengalen es wohl überhaupt nicht schaffen, zumindest ist das meine Hoffnung.

Den zweiten atomaren Wahnsinn bringt natürlich China, der eigentliche Plan von 40 GW aus Atomkraftwerken wurde letztes Jahr verbessert, jetzt sollen bis 2020 86 GW Leistung (ca. 80 Reaktoren) an Atomkraftwerken in China stehen, hmmm, die Chinesen setzen meistens um, was sie sagen, wir können also davon ausgehen, dass es im Gegensatz zu Bangladesh was wird mit den Reaktoren, hier die Hoffnung, dass es nicht zu viel Pfusch gibt und mal nicht am Material gespart wird wie beim umgefallenen Hochhaus in Shanghai.

Den Abschuss bringen aber die Japaner, nicht nur das es höllisch schwer ist, Informationen über den Elektrizitätsmarkt zu finden, da sie das meiste nur auf japanisch anbieten, nein, sie sind echte Frostbeulen. Es gibt in Japan ja die Heizungen für Toiletten, ein völliger Wahnsinn, im Hotel in Tokyo habe ich mir drei Tage den Arsch verbrannt, wenn ich mich auf die Toilette gesetzt habe, weil ich die Temperaturregelung nicht gefunden habe. So weit verbreitet sind diese Heizungen aber auch nicht, in Tokyo gibt es sie eigentlich überall, auf dem Land nur selten, im Hotel vielleicht, in der Jugendherberge schon nicht mehr und in einem normalen Cafe auf keine Fall, egal, was ich rausgefunden habe, 4% des Stroms, der in japanischen Haushalten verbraucht wird, geht für die Heizung von Toiletten drauf, ich habe es nicht ausgerechnet, das ist aber bestimmt ein halbes Atomkraftwerk, vielleicht auch nur ein Viertel, keine Ahnung, auf jeden Fall genug, hmmm, wäre doch ein tolles Doktorabeitsprojekt, die energiesparende Toilettenheizung, made in Germany für Japan.

Geheime Affaire

27. Juli 2009 von Peter

Hmmm, jetzt ist es so weit, ich muss euch meine geheime Affäre gestehen, seit heute ist sie aber auch irgendwie vorbei, vielleicht habe ich daher heute Lust es zu beichten. Letztens habe ich ja schon mit einem Verkehrs-Polizisten einen Augenflirt gehabt, jetzt ist – besser war, seit heute ist es ja endgültig aus – es eine Verkehrs-Assistentin, Ecke Nanjing Xi Lu/Huashan Lu steht sie jeden Tag, manchmal morgens, manchmal nachmittags, und weist – nein wies, schluchz, schluchz – mir den Weg zum Glück.

Zum ersten Mal traf ich sie morgens, am ersten Praktikumstag, auf dem Weg zur Arbeit lege ich die letzten 50 m vor der U-Bahn Station mit dem Fahrrad entgegen der Fahrtrichtung auf einem Teil der Straße zurück, den niemand benutzt, er ist immer leer, kein Auto, selten Fahrradfahrer, ganz selten Fußgänger, von weitem sah sie mich, erbost, mit ernstem Blick in ihre laute Pfeife trillernd traf sie mein Herz, absteigen sofort, und niemals mehr den Versuch starten entgegen der Fahrtrichtung Fahrrad zu fahren, …, den Rest nahm ich nicht mehr war, da mich ihre weiß glänzenden Handschuhe – die jeden Morgen und jeden Nachmittag auf der Nanjing Xi Lu aufs neue (Achtung Schleichwerbung) perlweiß den Weg weisen – vollkommen in ihren Bann zogen, ihre Mimik, ihre Gesten, ihre Ausdrucksstärke beim Regeln der Fußgängerströme, voller Ernsthaftigkeit und mit lauter Pfeife, selbst wenn kein einziger Fußgänger an der Ampel steht, Wahnsinn, diese Grazie und Körperspannung, genial, die Konzentration im Gesicht, unschlagbar, ich war hin und weg.

Naja, wir trafen uns häufiger, quasi jeden Tag, nur am Wochenende nicht, langsam wurde es zum Spiel, immer zärtlicher von ihrer Seite aus, bis wir uns nach ein paar Wochen mit einem kurzen Blick in unserer beider Augen einig waren, dass ich bis zur Kreuzung das Fahrrad fahren darf und erst absteige, wenn ich es auf den Gehweg schiebe, ich dachte, ich hätte sie erobert, doch weit gefehlt, vielleicht hatte sie Reuegefühle, wegen wem oder weshalb, weiß ich nicht, plötzlich kam sie auf mich zu, von ihrem Standplatz auf den Gehweg, die Straße für eine halbe Minute unbeaufsichtigt, um mir zu sagen, no bycicle here, no bycicle here, sie war böse, das merkte ich, nichts war mehr wie vorher, jeden Morgen, jeden Nachmittag mehr Gepfeife, kein Blick in die Augen mehr, nur mehr ein ernster Blick ins Nirgendwo der Nanjing Xi Lu.

Doch es kam noch schlimmer, ein neuer Liebhaber wahrscheinlich, der Polizist der Kreuzung, normalerweise ein ruhiger Junge, mich beobachtend, aber nie eingreifend, meine Turteleien erduldend, heute gar ganz wütend, von Weitem sah sie mich, ihre laute Pfeife wie beim ersten Male, als sie mich direkt ins Herz traf, dann dazu der Polizist, eine noch lautere Pfeife, blaue Uniform, die Straße vernachlässigend, in meine Richtung sprintend, auf den Gehweg, ihr neuer Liebhaber, ich bin sicher, no bycicle, no bycicle.

Es ist also aus, endgültig, eine extra Runde drehen kostet Zeit, morgen also auf dem Gehweg die letzten 50 m, da ist es zwar eng und die Fußgänger müssen ausweichen, es ist verboten dort zu fahren, aber zumindest bei den Chinesen meckern sie nicht rum.

Vielleicht suche ich mir ja jemanden Neuen, habe da auch schon einen Favoriten. Zwei Kreuzungen vorher, jeden Morgen ist er da, Verkehrs-Assistent auch er, eine tolle Sonnenbrille, selbst im Regen trägt er sie, tolle Edelsteine auf der Fassung, mindestens 30, ich habe sie heute gezählt, ganz cooler Junge, macht einfach nix, sitzt nur da, keine Pfeife, leicht braune Handschuhe, alle fahren, wann sie wollen, ist ja auch schnuppe, Hauptsache, er sieht gut aus, seine Goldzähne glänzen in der Sonne, muss ihm morgen mal tief in die Augen schauen, mal sehen, wie er reagiert.

Mittagessenflirt

29. Juni 2009 von Peter

Uiuiui, ein heißes Mittagessen heute, nicht nur, dass hier im Moment Regenzeit ist, d.h. über 30°C mit extrem hoher Luftfeuchtigkeit, auch nicht das scharfe Süppchen, das ich hatte, nein meine Tischnachbarin machte es zu einer heißen Angelegenheit.

Ich bin ja mittlerweile seit 3 Wochen und einem Tag bei Siemens, nicht der Bringer bisher, so langsam gewöhne ich mich aber an die Arbeit. Mittags gehe ich meistens mit den deutschen Kollegen essen, manchmal aber auch alleine, so wie heute, dieses Mal in die kleine Suppenklitsche, ein super Laden. Man nimmt sich ein Körbchen, links gibt es ein Regal und eine Pseudokühlkiste mit Salat, Gemüse, Tofu und Fleisch, schmeißt ins Körbchen, was in die Suppe soll, bezahlt auf der anderen Seite, bekommt ne Nummer gesagt, setzt sich in die Klitsche, das, was im Körbchen war, wird mit 4 anderen Suppen in einem Riesengefäß im selben Wasser gekocht, nach kurzer Zeit wird alles wieder rausgeholt, fertig die scharfe Suppe, das Wasser ist nämlich höllisch gewürzt, aber wie gesagt, das hat nicht die heiße Atmosphäre ausgemacht.

Ich warte also auf mein Süppchen, setzt sich ein Mädel neben mich, war nix mehr anderes frei, los geht’s, zuerst ganz unauffällig, wo ich arbeite, hmmm, Siemens ist bekannt, wie ich heiße, ok, darf sie fragen, das Essen kommt, erst einmal Stille, dann, auf welchem Level ich denn arbeite, Manager Level, ne, leichte Enttäuschung bei ihr, Employee Level, auch nicht, nur Praktikant, hmmm, sie lässt sich nichts anmerken, es geht weiter, ob ich Freunde in Shanghai habe, na klar, genug habe ich davon, ach so, nur noch 2 Monate in Shanghai, dann die leicht verzweifelte Frage, ob ich eine Freundin habe, so langsam geht sie mir aber auf die Nerven, ne ich will auch nicht dein Freund sein, dann noch ein letzter Versuch was rauszuholen, ob bei Siemens auch Leute mit Bachelor-Abschluss arbeiten würden, hmmm, keine Ahnung, was die Angestellten da für eine Ausbildung haben, als Praktikant kann ich dir aber doch sowieso nicht helfen, da einzusteigen, ist aber auch egal, meine Suppe war leer gegessen, so knisternd war die Atmosphäre nicht, dass ich da noch länger warten musste, also raus in den Regen, blöde Regenzeit, obwohl, dann merkt man zumindest den Schweiß nicht mehr so.

Nach der Arbeit, Fahrrad am Jing An Tempel geholt, zur nächsten Kreuzung, ein bisschen zu spät losgefahren, war schon rot, habe 3-4 Fahrradfahrer aufgehalten und damit genau das gemacht, worüber ich mich immer aufrege, upps, der Straßenpolizist schaut mich mal ganz Böse an, hmmm, ich lächle zurück, entschuldige mich per Handzeichen, schau ihm ganz tief in die Augen – naja, nicht wirklich – , er fängt an zu lächeln, meint ist nicht so schlimm, ein Augenflirt, uiuiui, mit einem Shanghaier Polizisten.

Filmwoche

21. Juni 2009 von Peter

Das Shanghai International Film Festival – bezeichnenderweise mit SIFF abgekürzt – geht morgen zu Ende, eine glorreiche Woche, weiß zwar nicht für wen, aber nicht für den Film, habe mir zwei deutsche Filme angeschaut, Kristina arbeitstechnisch – Goethe-Institut Praktikanten kriegen das halt bezahlt – drei deutsche und einen chinesischen.

Naja, große Namen sind da, Danny Boyle ist der Vorsitzende der Jury, Andy McDowell muss sich das auch antun, egal, die kriegen ja wahrscheinlich noch Geld dafür, wenn nicht, zumindest Publicity, ich muss dafür sogar Geld bezahlen, im Nebenprogramm laufen viele Hollywood-Filme, aber auch ein paar europäische Filme u.a. auch Jerichow, soll gut sein, war aber schnell ausverkauft, naja habe ich mir Dorfpunks angeschaut, die Idee nicht schlecht, Buchverfilmung, das Leben und die Entwicklung von ein paar jugendlichen Punks in einem kleinem Kaff im Norden Deutschlands (Schmalenstedt), mehr als ein bisschen Slapstick ist es nicht, die Musik ist super, viele angefangene Geschichtsstränge, die nicht weitergeführt werden, am Ende total moralisch, aber platt, und wie so oft die Frage, wie der Caster und der Regisseur auf die Auswahl der Schauspieler kommen, der Hauptdarsteller-Punk sieht einfach viel zu gut aus für den Rest, man nimmt ihm das Punk sein überhaupt nicht ab, nicht einmal verrutscht die Hose nichts, dreckig wird er auch nicht, obwohl er ständig auf dem Boden liegt, seltsam, seltsam, egal, das Interessanteste waren die Reaktion der Chinesen, selbst FangFang – meine Sprachpartnerin und eher westlich – war geschockt, Jugendliche, die nur saufen und nichts lernen und dann auch noch versuchen, besoffen Sex zu habe, es aber nicht schaffen, und dass das auch noch alles gezeigt wird…

Naja, das Highlight der Filmwoche sollte noch folgen, Ein Teil von mir, ich im Internet keine Info über den Film gefunden, egal, Freitag, der deutsche Wettbewerbsbeitrag, Fremdschämen ist angesagt. Kann mir jemand erklären, wie es eine Kleine-Fernsehspiel-Produktion des ZDFs es schafft, auf ein A-Festival – d.h. zumindest offiziell steht es auf einer Stufe mit Berlin, Cannes, Venedig, etc. – eingeladen zu werden, der Plot pseudo-moralisch bis zum Umfallen, sie, 15, schwanger, kriegt ihr Kind, er, auch 15, bekennt sich nicht dazu, sie erzieht das Kind alleine, hat Probleme mit ihrer Mutter, er bekennt sich langsam zum Kind, als er es seinen Freunden zeigt –wieso die überhaupt befreundet sind, wird auch nicht klar, da sie eigentlich über haupt nicht zusammen passen –, ist das Motorrad des Ober-Coolen wichtiger, er lächelt das Kind an, Ende, oh mann, das Skript auf dem Niveau von Film-Hochschul-Bewerbungsfilmen – nein, eigentlich auf dem Niveau von 10.-Klässlern, die Musik grottig, das ZDF will keine GEMA-Gebühren mehr zahlen, der Regisseur grottig, die Szenen wirkten so platt und unecht, die Texte grottig, hörte sich an, also würden sie aus dem Textbuch ablesen, naja, die Schauspieler gingen, wieso der 15-jährige, ok, am Ende war er 17, Hauptdarsteller größere Geheimratsecken hat als ich, ist mir bis heute nicht klar, wo war da der Caster und was hat er getrunken, als er den ausgesucht hat??? Egal, Kristina und ich hatten unseren Spaß, da der Film so schlecht war, dass wir ohne Gewissensbisse die ganze Zeit Witze drüber machen konnten.

Das echte Filmhighlight dann am Samstag, kein SIFF-Kram, sondern ein Doku-Film über die Bewohner eines Hauses in Shanghai, Building 173, in einer Gallerie, vom Dach der Gallerie Blick auf das Gebäude, englischer Regisseur, schwedische Produzentin, die selbst in dem Gebäude gewohnt hat, sehr interessant, eine bessere Geschichtsstunde, beeindruckend die Menschen, die ihre Geschichte und die Geschichte der Hausbewohner erzählen, unglaublich die offene Abrechnung der Bewohner mit dem Großen Sprung nach vorne und der Kulturrevolution, ganz offen, ohne Drumrumzureden, leider fast keine Chinesen da, obwohl, so was geht wahrscheinlich auch nur, wenn nicht zu viele Chinesen davon was mitkriegen, wie gesagt, war eine öffentliche Abrechnung mit Mao, dazu noch das Gebäude, früher gespickt mit Luxuswohnungen, heute ein ganz normales Haus in Shanghai, obwohl, ein englisches Paar hat sich ein Teil des oberen Stockwerks gekauft und renoviert, sieht toll aus, fast wie früher, voll mit Art-Deco Möbeln, etc.

Wie bei Wein

21. Juni 2009 von Peter

Meine Cappuccino-Buch-Idee hat Zukunft, ich trinke ihn weiterhin sehr, sehr gerne und es war das Gesprächsthema, als ich zu Hause war, keine Anekdoten über die Chinesen, nein, Cappuccino hier, Cappuccino dort, ich freue mich schon auf die Frei-Cappuccinos, damit ich Cafes gut bewerte, obwohl bestechen lasse ich mich nicht, der Cappuccino-Geschmack ist mir heilig, außerdem wurde mir mittlerweile bestätigt, dass ich Cappuccino nicht zum Wachmachen missbrauche, sondern ein Cappuccino-Genießer bin, ein gutes Gefühl, so gut, dass ich mittlerweile ohne Reue auch nachmittags einen Cappuccino in Italien trinken kann, obwohl, so richtig Italien war es ja nicht, ihr wisst schon, Südtirol.

Wein trinke ich ja auch gerne, leider kenne ich mich dabei nicht so gut aus, was ich weiß, bei Wein schmeckt man den Preis, den man zahlt, dasselbe gilt für Cappuccino, zumindest in Asien. Also, zwei neue Topadressen für Cappuccino in Shanghai, beides nicht oft bezahlbar – besser gesagt, nur bezahlbar, wenn man unbedingt ein Cappuccino-Wie-In-Italien-Erlebnis haben will -, die Reihenfolge ist schwer, der Preis gleich, aber der Flughafen gewinnt, einmal die Schwester zum Flughafen gebracht, einmal selbst nach Japan geflogen – dabei extra ein bisschen früher losgefahren, um in Ruhe einen Cappuccino trinken zu können – zusammen 10 €, heißt 5€ pro Cappuccino, Terminal 1, Cafe mit italienischem Namen, lustig den Leuten beim Check-In zuzugucken, dazu einen leckeren Cappuccino, cremig wie in Italien, ein leckerer Cafe, ein Traum, selbst um 9 Uhr morgens nach 3 Stunden Schlaf, besser geht’s nicht, wie gesagt, die Top-Adresse in Shanghai, leider nur ca. 50 Kilometer von mir entfernt und viel zu teuer. Auf Platz 2, ganz knapp geschlagen, am People Square, also nur 4 U-Bahn-Stationen von mir entfernt, 5€ wert, ein cremiger Cappuccino mit Blick auf den People Square mit Chinesen beim Versuch Touristen in teure Tee-Zeremonien zu schleppen, der Vorteil, geht man vorher oder nachher ins Museum reduziert sich der Preis um den Museumseintritt, dann ist der Cappuccino auch wieder im normalen Preissegment, und daher der Gewinner im Preis-Leistungsverhältnis, ein weiterer Vorteil, man kann draußen sitzen, obwohl, der Vorteil zieht zumindest jetzt nicht mehr, da ich seit ca. 1 Woche sehr froh bin, in einem wohl klimatisierten Büro Praktikum zu machen, Hitze, Luftfeuchtigkeit und Schweißproduktion auf uneuropäischen Werten.

Weiter nach Japan, im Reiseführer gelesen, dass Japan eine lange Cafe-Tradition hat, wusste ich nicht, stimmt aber wahrscheinlich, heute zumindest, viele kleine Cafes, selbst in kleinen Orten gibt es immer ein schönes Plätzchen für den Nachmittag, zum kurz Verweilen und Kaffee trinken, naja, bei mir wurde es eher der Frühstückscappuccino, aber egal, wollte kein japanisches Frühstück mit Reisbällchen, Misosuppe, etc., daher eher in auf westlich gemachten Bäckerei-Ketten gefrühstückt, war lecker, der Cappuccino ok, besser als die Starbucks-Plörre, aber halt nichts Erwähnenswertes. Dann aber Tomonoura, ein kleines, ganz altes Fischerdörfchen, seit Jahrhunderten angeblich nicht verändert – außer den beiden modernen Touristenhotels natürlich – Sonne, Meer, Fischerbötchen. ein genialer, entspannender Nachmittag, wunderschön, dazu ein von einem jungen Pärchen geleitetes Cafe, direkt am Wasser, neben dem alten Leuchtturm, ach, ein schöner Nachmittag, ein guter, kein ganz Wie-In-Italien-Cappuccino, aber dennoch besser als die meisten in Deutschland.

Dann aber noch das Cappuccino-Highlight, Tokyo, Ginza, keine Ahnung, wie das Cafe heißt, finden würde ich es wieder, sah von außen schon teuer aus, egal, wir wollten ein Cafe, ein bisschen enttäuschend, kein Blick auf die große Kreuzung, naja, hatten nicht viel Zeit, also Cappuccino bestellt, knapp über 6€, Tokyo ist halt verdammt teuer, aber die Leistung, perfekt, ein Cappuccino der italienischen Spitzenklasse, der Preis egal in dem Moment, hmmm, lecker, ein Genuss, mehr kann ich dazu nicht sagen, bisher der beste Cappuccino in Asien, besser als alles, was ich in Deutschland hatte, die können halt doch besser kopieren als wir – der Tokyo Tower ist eine etwas größere, rot-weiße Kopie des Eifelturms -, obwohl, mittlerweile sind die ja innovativ und kopieren nicht nur, hmmm, vielleicht die Zukunft, Cappuccino made in Japan besser als der aus Italien, ich will auf jeden Fall zurück, Japan war super, ein toller Urlaub, nicht nur wegen des Cappuccinos.

Sprachenstolz

21. Juni 2009 von Peter

Meine Chinesisch-Sprachkenntnisse sind ja nicht so toll, wie ich mir das vor der Abreise nach China vorgestellt habe, naja, eher sehr mau. Am Anfang habe ich noch einen Sprachkurs belegt, das dann aber im Laufe der Diplomarbeit weggelassen und jetzt kann ich mich auch nicht mehr motivieren, damit richtig anzufangen. Egal, zum Reisen, Essen Bestellen, usw. reicht es noch,…

Abreise nach Japan, Flughafen, Northwestern Airlines, Flug nach San Francisco mit Zwischenstopp in Tokyo, halt Amerikaflug, haben noch immer Schiss wegen 11. September, ich wurde ausgelost für eine Extrakontrolle, beim Check-In also zu einem Extra-Sicherheitsmensch, Chinese, so weit alles gut, ich bin kein Terrorist, also auch kein Problem, dachte ich,…, doch ein Problem, wie sich rausstellen sollte. Er fing an zu fragen, das Problem, ich habe nichts verstanden, sein Englisch war so stark durch den chinesischen Dialekt beschädigt, dass ich bei jeder Frage im Schnitt 4-5 Mal nachfragen musste, bei den einfachen Fragen nach Ziel, derzeitigen Wohnort, Grund meiner Reise kam ich noch einigermaßen mit, danach nicht mehr.

Danach ein Versuch auf Chinesisch zu kommunizieren, die Frage nach dem Feuerzeug habe ich noch verstanden (auf Chinesisch), danach kam ich auf Chinesisch nicht mehr mit, also, kompletten Rucksack ausgeräumt, er nichts gefunden, was mich als Terroristen ausweisen könnte, ich durfte also fliegen, keine Ahnung, was er von mir wissen wollte.

Zweite Hürde war dann das Einsteigen ins Flugzeug, nach einem Cappuccino war ich schon ein bisschen wacher, aber ich habe das Englisch der guten Frau am Gate einfach nicht verstanden, kein Wort, vielleicht doch ein Wort, weil ich wusste, dass es Englisch sein sollte und wahrscheinlich auch war, aber außer dem Wort Boarding ging einfach nichts. Nach den Gesichtern zu urteilen war ich nicht der einzige, der Sprachprobleme hatte. Ansage auf Japanisch, hmmm, mein Japanisch beschränkt sich genau auf null Worte, danach Chinesisch, wow, ich habe verstanden, welche Sitzreihen einsteigen sollen, ein klein bisschen stolz, zwei Mal an einem Tag habe ich auf Chinesisch mehr verstanden als auf Englisch, ein wirklich besonderer Tag.

Ich also rein ins Flugzeug, ne doch nicht so schnell, nach dem Gate, Stau, noch eine Kontrolle nach der eigentlichen Sicherheitskontrolle, noch mal das gesamte Handgepäck auspacken, meine Kekse stellten kein Sicherheitsbedenken dar, mein Wasser auch nicht, also endlich einsteigen, obwohl nicht so schnell, vor dem Flugzeug ein Polizist mit Atemmaske, noch einmal den Pass kontrollieren, wieso, keine Ahnung, zusammengefasst also, 1 Mal Reisegepäck ausgeräumt und kontrolliert, insgesamt 4 Mal den Pass kontrolliert, das Handgepäck einmal eingepackt und einmal ausgepackt kontrolliert, so sicher habe ich mich im Flugzeug noch nie gefühlt, obwohl , die ganzen Leute mit Gesichtsmaske haben mich schon ein bisschen nervös gemacht, Schweinegrippealarm in Japan halt, fast 300 Fälle in Japan, überall Gesichtsschutz um mich rum, ein seltsames Bild und ein mulmiges Gefühl, naja, nach 2-3 Tagen hatte ich mich daran gewöhnt.

Geisterstunde

14. Juni 2009 von Peter

Wieder mit Schwester unterwegs, Miguel getroffen – Spanier, hat in Darmstadt studiert teilweise studiert – Indonesisch essen, Premiere für mich, lecker, aber auch nicht so anders als anderes asiatisches Essen, ein bisschen Holländisch beeinflusst, danach das Bundesligafinale angeguckt, bei Yao Mings Eltern natürlich, nicht wirklich spannend, da Wolfsburg so schnell geführt hat, kurz gefreut, die Bayern sind nicht Meister geworden, dafür eine Stadt ohne Balkon zum Feiern, juhu, danach zum Kiosk, 10 Flaschen Bier gekauft, in ein Taxi zu einer Party von Miguel.

Im Taxi noch einmal die genaue Adresse erfragen, blöd, keiner geht ans Telefon, wird schon stimmen, angekommen, stimmte auch, mitten Hongkou, außenrum eher kleine Häuser, ziemlich verfallen, drinnen ein Compound mit 30-stöckigen, neuen Wohn-Hochhäusern, bizarre Welt, die richtige Atmosphäre und das optimale Setting für einen Teenie-Schocker, wir also zu Haus 10, rein in den Aufzug, in Stock 30 ist die Party, in Stock 16, nichts geht, der Aufzug steht, die Tür geht nicht auf, dem Schwesterchen stockt der Atem, Höhe liegt ihr ja nicht so besonders, ok, alle Knöpfe gedrückt, den Hausmeister ans Mikro gekriegt, der sagt was mit 1, irgendwann den Knopf für den ersten Stock gedrückt, ab, es geht wieder runter, ok, rein in den zweiten Aufzug, Schwester will nicht so recht, egal, alles egal, da der überhaupt nicht losfährt, wir wieder raus, immer noch meldet sich keiner auf Miguels Anrufe, scheiße, was tun, wir haben 10 Flaschen Bier, zumindest die wollen wir loswerden, also keine Chance, laufen heißt das Zauberwort.

Ich dachte, die spinnen, aber ok, sie sind schon auf dem Weg nach oben, blöd nur, es gibt nur Ausgänge zu den ungeraden Stockwerken, hmmm, kommt mir suspekt vor, aber egal, in 10 Minuten sind wir oben, 30 Stockwerke, 5 Bier + meinen Diplomarbeitsbauch die Treppe hochgewuchtet, es gibt ein Problem, wir hören Musik, aber wo ist der 30. Stock, es gibt den 29. Stock, aber dort ist die Tür geschlossen, im 31. Stock, steht die Haustechnik, blöd, wir klopfen an eine Balkontür im Mittelgeschoß zwischen 31.und 29. Stock, nichts tut sich, Miguel versucht anzurufen, nichts tut sich, Problemlösung, wieder runter, 30 Stockwerke, blöd gelaufen, Peter ist genervt, will gehen, Miguel erreicht jemanden auf der Party, Problemlösung, es gibt einen Einbruchsschutz, der Fahrstuhl muss freigeschaltet werden, entweder oben in der Wohnung, oder unten mit einem Code, ok, jetzt ist er freigeschaltet, wir rein in den Aufzug, Schwester leicht weiß im Gesicht, locker in den 30. Stock, wir sind da, die Tür der Wohnung ist offen, wir sind da.

Die Party auf jeden Fall nicht so der Bringer, geile Wohnung mit Balkonblick auf Skyline und Bund, 5 Kerle wohnen dort, so sieht die Wohnung auch aus, könnte man mehr draus machen, eine Deutsche, die in Spanien aufgewachsen ist, mit komischer Ich-bin-nicht-Deutsch-Neurose, sonst fast nur Jungs da, ein bisschen was trinken, dann gehen wir wieder, nicht ohne nach dem Treppenhaus zu gucken, Verwirrung, Entsetzen, bin-ich-blöd-Denken, direkt neben dem Aufzug, der Eingang zum Treppenhaus, mit einer 30 drüber, häh, unten geht man direkt neben dem Aufzug in ein Treppenhaus mit Zugang zu den ungeraden Stockwerken, oben in eins mit den geraden Stockwerken, irgendwas ist schief, der Aufzug, das Treppenhaus, mein Hirn, irgendwas stimmt hier nicht, ein Geisterhaus?

Das Setting für einen Grusel-Gemetzel-College-Teenie-Party-Schocker war auf jeden Fall gegeben, das Drumherum fehlte nur, keine auf den Metzelhöhepunkt hinweisende Musik, kein Typ mit Maske im Gesicht, keine Kettensägen und Zombies und keine College-Teenie-Mädels mit Riesenausschnitt, egal, wir also runter, Ziel erfüllt, die Biere waren abgegeben, rein in ein Taxi, der Fahrer ein netter Chinese, hatte seinen Spaß, ein unglaubliches Lachen, einfach so, ohne Grund, ständig sein Lachen, mehr ein Krächzen, eine Kettensäge im Kofferaum? Liegt irgendwo eine Maske im Auto? Naja, im Radio ein Hörspiel, wohl doch kein College-Teenie-Metzelmörder, dazu die Besetzung, – in dem Falle wir – zu alt, zu unsexy, zum Glück würde ich sagen.

Natur pur

13. Juni 2009 von Peter

Mal wieder bloggen, hat sich lange nichts getan im Blog, Schwester war im Lande – in China also -, 1 Tag frei, dann ab nach Japan , 8 Tage genialer Urlaub mit Ostasientreffen im Anschluss – 4 Tage im Sheraton Hotel in Tokyo, alles bezahlt, danke McKinsey, arbeiten werde ich trotzdem nicht für euch -, dann die erste Woche Praktikum bei Siemens, am Montag mehrfach am Computer kurz eingeschlafen, erholen vom wenigen Schlaf in Tokyo, wenig Zeit, heute viel Rumgerenne, jetzt Cafe, wunderschön, Cappuccino, guter Jazz, ein geiles Cafe, dazu aber mehr im nächsten Cappuccino-Test Eintrag.

Mit Schwester S. – wer erinnert sich noch an unser geiles Pop/Hip-Hop/RnB Sternchen aus Frankurt-Rödelheim – viel unternommen, waren in Suzhou und Hangzhou, ansonsten Shanghai, ein Tag eher spät zum People Square, ein bisschen rumlaufen, kurz aufs Dach des Museum of Contemporary Art (Moca), tolles Cafe dort, dann noch ein Art-Deco Hotel angucken, ne Freundin/Bekannte von Sabine treffen, danach keine Ahnung mehr, was wir gemacht haben, egal, als erstes halt zum People Square und ein bisschen rumlaufen, ein Mädel labert uns auf Englisch an, ist ganz nett, noch ein paar andere Chinesen dabei, dachte, die gehören dazu, als die gehen, dämmert es mir bereits, dann die eindeutige Frage, ob wir nicht Lust haben im Teehaus von Freunden mit ihr einen Tee zu trinken, es macht Klingeling bei mir, Achtung, Verarschung, schon oft gehört, angelabert am People Square, mit zur Teezeremonie gegangen, dann 1000 Yuan (ca. 120 Eur) dafür geblecht, nicht mit mir, mit Sabine auch nicht – naja, ich musste erst einmal ein bisschen Überzeugungsarbeit bei Sabine leisten -, schnell war sie weg, dann doch kein Spazierengehen mit uns, ohne Tee sind wir wohl uninteressant, was sind wir doch für Banausen, dass wir uns nicht für eine chinesische Teezeremonie interessieren.

Ok, das wäre geschafft, abgewimmelt, ab aufs Dach vom Moca, tolle Terrasse dort, Blick auf den People Square, tolle Preise auch, egal, wusste, dass es teuer ist, aber 5 Euro für nen Cappuccino ist schon happig – später hat sich rausgestellt, dass in den 5 Euronen auch der Eintritt ins Museum mit drin ist, daher ist der Cappuccino auch wieder preislich im Rahmen – , noch mal egal, ich hatte Cappuccino-Entzugserscheinungen, also so viel gelöhnt, gelohnt hat es sich, lecker war er, der bis dahin beste Cappuccio in Shanghai, die Bar, die dazu gehört auch schön, abends schon gute Parties dort erlebt, das Museum abhängig von der Ausstellung mittelmäßig bis langweilig, dieses Mal eher langweilig, obwohl 2-3 Sachen nicht schlecht waren. Da saßen wir nun, von oben konnte man gut die beiden Gruppe erkennen, die Leute ins nicht allzu billige Teehaus lotsen wollten, keine Gruppe war erfolgreich, Schadenfreude bei uns, schönes Sonnenwetter, plötzlich ein Handy-Klingeln, aber außer uns ist ja gar keiner da, dann noch mal, dann raff ich es, ein Vogel singt ein Handy-Klingeln nach, hatte das ja schon mal gelesen, dass sich die Gesänge der Vögel durch die Umwelt verändern, dass die Vögel aber Handy-Klingeln imitieren, wusste ich noch nicht, jetzt wüsste ich nur noch gerne, ob dieser Gesang beim anderen (Vogel)-Geschlecht ankommt, in Zukunft werde ich dann vielleicht Handy-Töne nachsummend durch die Innenstädte schlendern und warten, bis sich Frauen wortwörtlich um mich reißen, ich fands eher nervig, wollte ein bisschen Ruhe, stattdessen hatte ich einen Vogel, der den China Telecom Sound nachmacht, China halt, Ruhe gibt’s nicht wirklich.
Danach weiter zum Hudek-Hotel, schöne Art-Deco Lobby, ein toller Treppenaufgang, das wars, raus, eine französische Mutter mit Kindern aus den Klauen der Teehaus-Abzieher befreit – ich glaube, das Mädel, das am Anfang so nett zu uns war, mag mich jetzt nicht mehr, erst Schwester bequatscht nicht mit zu gehen, dann auch noch die Franzosen, die schon am Mitgehen waren, denen hab ich ganz schön das Geschäft versaut -, dann mit der Freundin von Sabine getroffen, eine griechiche Bar/Restaurant auf der Dachterrasse mit Blick auf Pudong, was ein dekadenter Tag, abends keine Ahnung, was wir gemacht haben, bestimmt waren wir irgendwie was Westliches essen.

Irgendwie kriege ich gerade keinen guten Übergang hin, aber eine Geschichte zu Natur pur wollte ich noch erzählen, hatte es schon in einer der tollen englisch-sprachigen Zeitschriften gelesen, für 10 Yuan – ca. 1 Euro – gibt’s Spray zum Färben von Hunden – also, Hunde sind hier in Shanghai eher ein Spielzeug, möglichst viel Fell, irgendwo ein Gesicht, das raus guckt, ansonsten aber wirklich eher eine Fellkugel, die sich viel zu langsam bewegt, weil sie – die Kugel = Hund – sich dick gefressen hat, obwohl, mir fällt gerade noch ein, dass es auch noch den Paris Hilton Style-Hund – hat sie ihr Hündchen noch – gibt, der im Handtäschchen durch die Gegend getragen wird -, ist zur Zeit total trendy, am beliebtesten ist es die Ohren zu färben, ein Foto von einem weißen Hund mit violett-orange gefärbten Ohren war auch in der Zeitschrift, naja, also irgendwo beim Rumlaufen, ein weißer Hund, eigentlich ein schöner Hund – das sage ich jetzt als Hundehasser/Vor-Hunden-Angst-Haber – mit Schlabberohren, die äußersten Ohrenspitzen orange gefärbt, also total cool der Hund, die Besitzerin aber noch besser, ein kurzer Rock – also ein wirklich kurzer Rock – aus bunten Stofffetzen, hatte was von einem bunten Vogel auf der Balz, hoffe nur, dass sie keine Katze zu Hause hat, sonst wird sie in dem Rock noch von ihrer eigenen Katze gejagt.

Schwesterbesuch

17. Mai 2009 von Peter

Sabine ist da, jetzt schläft sie noch, deswegen habe ich ein bisschen Zeit zu schreiben, ob sie gestern wirklich noch den Eurovision Song Contest geguckt hat, keine Ahnung, ich hab da auf jeden Fall schon geschlafen, ist irgendwie anstrengend jeden Tag ein bisschen Programm zu organisieren, aber macht auch Spaß, shoppen, Cafe trinken und Tourist sein…

Suzhou, eine Enttäuschung, schon viel besser Tongli, kleine Wasserstadt, weniger Touristen, dafür immer noch schöne Gärten und ein leckeres Mittagessen, ansonsten bis jetzt Shanghai, das Übliche, Skybar, Yu-Garten, Einkaufen gehen, einfach Shanghai entdecken, Bundesliga gucken in der Sports-Bar von Yao Ming’s Eltern, eine ziemlich geniale Tanz-Performance angucken, immer mal wieder staunen und sich mit Taxifahrern rumärgern, die den Ort, zu dem wir wollen, gar nicht kennen, nächste Woche dann Hangzhou, hängt ein bisschen vom Wetter ab, wann, denn mittlerweile regnet es manchmal, die Regenzeit kommt näher.

Gestern abend war es dann so weit, es regnet, das aber so richtig, die Straßen stehen unter Wasser, wir auf der verzweifelten Suche nach einem Taxi, bei Regen ein Ding der Unmöglichkeit, egal, wir waren gut ausgestattet, Regenmäntel plus Schirm, nur die Füße waren nass, egal war ja nicht kalt draußen, also zur U-Bahn Station, dabei immer noch der Versuch ein Taxi zu erwischen, plötzlich von hinten, ein Fahrrad-Fahrer halb in Küchenfolie eingewickelt – manchmal muss ich sagen, dass ich Chinesen irgendwie liebe, so viel Pragmatismus gibt es selten auf der Welt – , er hatte wohl keinen Regenmantel zur Verfügung, dafür die Küchenfolie, einfach um den Körper gewickelt, sah lustig aus und immerhin ¼ des Oberkörpers war eingewickelt und daher trocken.

Hmmm, heute fällt mir kein guter Schluss ein, egal, gehe Sabine wecken, der Tag muss ja mal starten…

Frühsport

06. Mai 2009 von Peter

Heute morgen früh raus, habe meinen Professor getroffen um die Diplomarbeit bei ihm abzugeben, ganz ungewohnt für mich, aber richtig schön, da heute der Sommer so richtig angefangen hat, habe auch gelernt, dass nach dem Mondkalender gestern der Sommer angefangen hat, passt also perfekt. Ich habe ja erzählt, dass die Zeit hier wegen der Ein-China-Politik ein bisschen verschoben ist, also um 6 Uhr steht die Sonne hoch am Himmel, um 7 Uhr sind es 20°C perfekt, um nach dem Professor-Treffen laufen zu gehen, später wäre es wegen der Hitze die Hölle geworden.

Gefrühstückt, aufs Fahrrad, vergessen die Laufschuhe anzuziehen, also zurück, Schuhe wechseln, Stress, aber doch rechtzeitig, danach zum Supermarkt auf dem Campus, ein Wasser gekauft, dann ein echtes Highlight. Ein alter –schätzungsweise mal mindestens 60 Jahre, eher 75 Jahre alt – Mann, das Gesicht unter einem großen Hut versteckt, für Chinesen ungewöhnlich mit unrasierten Bart – viele bekommen ja keinen -, er also spricht mich an, gutes Englisch, ich ein bisschen baff, aha, besseres Englisch als 99,99% der Chinesen sprechen, aha, hat mal in Russland studiert, Englisch nur durch ABC und CNN gucken gelernt, naja, das glaube ich ihm nicht, aber egal, dann geht es weiter, in den 60er Jahren Trainer der chinesischen Wasserspringer, seine damaligen Zöglinge sind die Trainer der Goldmedaillengewinner in Atlanta und Sydney, beeindruckend, ein echter Volksheld also, da Wasserspringen hier unglaublich populär ist – wie alles, in dem sie Medaillen gewinnen, auf jeden Fall kennen die Chinesen die deutschen Wasserspringer wahrscheinlich besser als die Deutschen, da hier jeder Weltcup übertragen wird, das Liebesleben der erst 15 Jahre alten Olympiasiegerin, Name hab ich natürlich vergessen, hat wochenlang die Sportnachrichten gefüllt – ob ich ihm das glauben soll, keine Ahnung.

Kurzer Small Talk, dann ab ins Stadion zum Laufen, wahnsinnig viel los, Erinnerung, es ist erst 7.20 Uhr, spannend dort Runden zu laufen, eine Art Elvis-Tolle ist bei Älteren total in, man sieht halt nur die fehlenden Haare ein bisschen durch, rückwärtslaufende Menschen, komische Dehnübungen machende Menschen, Schwertkampf/-tanz übende Menschen – überraschenderweise mit Metallschwertern, die sahen verdammt gefährlich aus, jetzt mal im Ernst -,…, das Wichtigste dabei, die Lautstärke, das ist einfach wichtig, die darf nicht fehlen, ein echt cooler Soundtrack am Morgen, mein liebster ist ein Mann, der im Schatten steht, sich auf die Brust haut und bei jedem Schlag einen kleinen Schrei loslässt, ich würde mal sagen, mindestens 10 Minuten ging das so, wie gesagt, einfach spannend.

Auf dem Rückweg dann eine kleine Modenschau der diesjährigen Regen-/Sonnenschirm-Kollektionen – die chinesische Frau darf ja nicht zu dunkel werden, am besten überhaupt nicht – die Studentinnen eher unspektakulär, die mittelalten Frauen dafür um so mehr, Seide ist es wohl nicht, aber ganz feiner Stoff, sieht verdammt teuer aus, dazu dann entweder Stoff oder Strass eingenäht, feinste Blumen, Frauen in eleganten Qipaos, Berglandschaften, alles mit Strass oder Faden eingenäht, Wahnsinn, sah echt gut aus, naja, auf dem Fahrrad/Mofa macht es dann noch die gewöhnliche StarWars Maske, muss mal ne gute fotografieren.

Dann nach Hause, war erst 8.10 Uhr, eine perfekte Zeit, um die Wohnung zu putzen, jetzt glänzt sie, der Staub ist einigermaßen entfernt – hält maximal 2 Tage -, bei einer größeren Wohnung würde ich wahnsinnig werden , egal, Sabine kann kommen, die Wohnung ist sauber, zumindest um 10.30 Uhr, mal sehen, wie viel Staub morgen auf dem Tisch ist.

P.S. Ich habe mich gerade erinnert, dass ich in Dali auf dem Markt ne sehr coole Sonnenschtuzmaske gesehen habe, ist nicht StarWars, ist aber trotzdem zwei Fotos wert.
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